Kammerchor der Uni Ulm: Jesu Stammbaum und die schönste reine Vokalmesse

Eine tolle Aufführung des Kammerchors der Universität Ulm: Pärts „Which was the Son of . . .“ und Reinbergers „Cantus Missae“.

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Kann man die monotone Auflistung aller Vorfahren Jesu, wie sie im Lukas-Evangelium (Kap. 3, 23-28) zu lesen ist, in spannende Musik verwandeln? Und wie, vor allem, wenn man Arvo Pärt heißt! Kann man diesen auskomponierten biblischen Stammbaum aber auch so singen, dass er über seinen rituellen und repetitiven Gestus hinaus zu einem chorischen Ereignis wird? Und ob, wie der Kammerchor der Universität Ulm eindrucksvoll bewies.

Zum vierten Mal hatten das Ensemble und sein Leiter Manuel Sebastian Haupt zum Semesterabschluss in die Sankt-Elisabeth-Kirche geladen. Haupt selbst führte durch das Konzert, in dem neben Pärts 2000 entstandener Komposition „Which Was the Son of …“ für gemischten Chor a cappella noch die „Cantus Missae“ von Josef Gabriel Rheinberger zur Aufführung kam. Der Musikhistoriker Otto Ursprung (1879–1960) bezeichnete Rheinbergers einzige doppelchörige Sakral-Komposition als „die schönste reine Vokalmesse des 19. Jahrhunderts“. Man kann Ursprung nur beipflichten, vor allem nach dieser herrlichen Darbietung, die der Kammerchor dem von altklassischer Vokalpolyphonie und romantisch-liedhafter Stimmführung geprägten Chorwerk angedeihen ließ.

Geradezu überirdisch schön modellierten die Musiker mit ihren ebenso rein wie warm klingenden Stimmen das „Sanctus“ und adelten es damit zum tief berührenden Herzstück dieser vor schönen Melodien nur so überquellenden Messe, für die Rheinberger 1879 von Papst Leo XIII. mit dem Gregorius-Orden ausgezeichnet wurde.

Vor dem „Sanctus“ – und auch schon nach dem Werk von Pärt – hatten der Cellist Benedikt Solle und sein die Orgel spielender Bruder Philipp das Wort. Von der Empore herab intonierten sie nach „Which Was the Son of …“ die „Vokalise“ von Sergej Rachmaninow, später dann die „Elegie“ und das „Abendlied“ von  Rheinberger. Nach dem „Agnus Dei“ wollte der Applaus nicht enden. Zum Dank gab’s als Zugabe nochmals das „Sanctus“.

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