Junge Oper: Das ehrlichste Publikum

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Morgen feiert die Junge Oper Stuttgart Premiere mit „Benjamin“ – mit dabei ist der Tänzer Ibrahima Biaye.  Foto: 

Sternchenthema „Zauberflöte“: Mehr fällt Schulräten zum Thema Oper für den Lehrplan selten ein. An den Staatstheatern Stuttgart wissen sie schon lange, dass es auch ohne Mozart geht. 1995 gründete der damalige Intendant Klaus Zehelein die Junge Oper, um ein junges Publikum in den musikthea­tralischen „Erlebnisraum“ zu führen. Und gemeint war damit nicht nur, Kinder und Jugendliche zu Probenbesuchen und Workshops einzuladen. 1997 stand die erste Eigenproduktion auf dem Programm: „Der gestiefelte Kater“ von César Cui. Das war damals einmalig, in  Deutschland: Im „Network of Education in Opera Houses“ fand sich die Staatsoper Stuttgart in einer Reihe mit der Opéra National de Paris, den Salzburger Festspielen und dem Gran Teatre del Liceu Barcelona.

„Forever Young“: Jetzt feiert die Junge Oper Geburtstag, mit einem Fest und natürlich auch einer deutschen Erstaufführung. Morgen, Freitag, hat „Benjamin“ im Kammertheater Premiere, eine archaische Migrationsgeschichte von Gion Antoni Derung. Regie führt Neco Çelik, der 2011 für seine Inszenierung von Ludger Vollmers Oper „Gegen die Wand“ nach dem Film von Fatih Akin den Deutschen Theaterpreis „Faust“ gewann.

Eine Erfolgsgeschichte

Aber lässt sich der Erfolg auch in Zuschauerzahlen ermessen, im Besuch des erwachsenen Repertoires? Diese Frage kann Elena Tzavara, seit dieser Spielzeit Leiterin der Jungen Oper, nicht mehr hören: Nein, man könne „den Nachwuchs nicht züchten“. Und das wolle sie auch nicht. Wobei junge Menschen, die als Schüler in Projekten der Jungen Oper mitgewirkt haben, tatsächlich immer wieder als Zuschauer zurückkehrten.

Die 39-jährige Hamburgerin, die auch Chefin  der Kinderoper Köln war, ist alles andere als pessimistisch, was die Zukunft der Kunstform Oper betrifft. Ihr Ziel freilich ist es zunächst, die Schwellenangst zu nehmen. Und zu vermitteln, dass man „mit Singen hoch emotional eine Geschichte erzählen kann“. Oper sei nicht elitär. „Sie ergreift alle Sinne.“ Mit der Stimme könne man so viel machen.

Es sind mehrere Säulen, auf denen die Arbeit der Jungen Oper Stuttgart ruht. Dazu gehört die musiktheater-pädagogische Arbeit, also Blicke hinter die Kulissen; Schulklassen etwa begleiten die Produktionen im Opernhaus. Dann geht‘s natürlich um die Teilhabe, ums Mitmachen: auf spielerische Weise die Oper erleben. Und schließlich bietet die Junge Oper Kunst von erwachsenen Profis für junge Zuschauer: Aufführungen direkt für Kinder und Jugendliche, zwei bis drei Eigenproduktionen in der Saison.

Kein aufgeschlosseneres, kein aufmerksameres, aber auch kein kritischeres Publikum lasse sich denken, sagt Elena Tzavar. „Kinder haben noch keinen Filter im Kopf, erklären nicht vorab kategorisch: Das gefällt mir nicht! Kinder reagieren prompt und ehrlich, spüren ganz genau, wenn etwas in der Geschichte nicht funktioniert.“

Und wenn die Geschichte stimmt, nehmen sie auch vorurteilslos jeden Klang mit, Harmonien wie Dissonanzen, Schüler haben nicht von vornherein Angst vor Neuer Musik. Das zeigte vor vielen Jahren in  Stuttgart einmal Bernhard Königs Oper „Expedition zur Erde“. Da machen sich die Wissenschaftler des Königs Ludus auf, um im Weltall ein Wundermittel gegen die miese Laune des Herrschers zu suchen. Auf einem unwirtlichen Planeten namens Erde haben sie offenbar etwas gefunden, was glücklich macht und die Seele stärkt: Musik. Nur dass sie in dieser Oper nicht von Mozart stammt, sondern volltönend frei klingt, nicht nach den Dur-Moll-Gesetzen. Das begeisterte dann auch die realen Kinder, gewissermaßen die Außerirdischen im konventionellen Klassik-Betrieb.

Programm Von heute an bis Sonntag feiert die Junge Oper Stuttgart: auch mit einer Geburtstagsparty im Kammertheater (Samstag, 19 Uhr) und der Podiumsdiskussion „Wie kommt das JETZT in die Oper?“ (Sonntag, 11 Uhr) im Opernhaus.

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