James Taylor gibt in der Stuttgarter Liederhalle ein hinreißendes Konzert

Einer der größten Songwriter, begleitet von fantastischen Musikern. Auch wenn man von James Taylors Gastspiel in der Stuttgarter Liederhalle einiges erhoffen durfte: Der Abend übertraf alle Erwartungen.

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Sympathischer Schlacks mit Gitarre: James Taylor in der Stuttgarter Liederhalle.  Foto: 

Er hat ein paar Dutzend der schönsten Pop-Songs geschrieben, seinen größten Hit hatte er allerdings mit einem Titel seiner Freundin und Weggefährtin Carole King: "You've Got a Friend". Damit war er 1971 Nummer eins der amerikanischen Hitparade und räumte einen Grammy als bester Sänger ab.

Bester Sänger? Das ist schon etwas für einen Vokalisten, der wie James Taylor nicht wirklich mit einer tollen Stimme gesegnet ist. Stimmchen trifft dessen Organ schon eher. Dennoch: Seit Jahrzehnten ist Taylor auf den Bühnen der Welt unterwegs - und auch gerade als Interpret erfolgreich. Warum das so ist? Der Abend in der Stuttgarter Liederhalle erklärte so manches.

Da ist zum einen die Band, die Taylor seit Jahren begleitet: Mit Steve Gadd an den Trommeln, Michael Landau an der Gitarre, Bassist Jimmy Johnson und Pianist Larry Goldings hat Taylor Sidemen dabei, die man nicht einfach für Geld und gute Worte bekommt, diese Ausnahmekönner müssen schon Spaß haben, Erfüllung finden.

Das tun sie mit James Taylor offensichtlich: Zum einen, weil er der Band mit Hochachtung begegnet, zum anderen, weil dieser Songwriter und Sänger selbst ein Klasse-Musiker auf der akustischen Gitarre ist, dessen Intros und gepickte Hammer-On-Figuren fast ebenso eingängig sind wie seine Melodien. Kein Wunder, dass bei fast allen Nummern der Beifall nach den ersten sorgfältig gezupften Tönen aufbrandet: Man weiß, was kommt. Und man kann sich drauf verlassen, dass Taylor als Vokalist ebenso sorgfältig intoniert, was er sich zuhause in seinem Kämmerchen ausgedacht hat.

Klingt langweilig? Ist es aber nicht, denn der 66-Jährige tut das alles mit vollem Einsatz und genießt gleichzeitig den Kontakt zu seinen Fans, streut immer wieder deutsche Brocken ein, wenn er sich etwa freut, in diesem "Zimmer", wie er den Beethoven-Saal der Liederhalle nennt, gastieren zu dürfen.

Kurz vor der Pause sinniert er über deren Sinn: "Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Ich stehe 20 Minuten auf der anderen Seite des Vorhangs da hinten und gucke auf die Uhr, wann es endlich weitergeht", sagt er. Und tut es nicht, setzt sich vielmehr an den Bühnenrand und signiert die gesamte Pause über Tickets und was man ihm sonst so hinhält, muss erst von der Band, die nach den 20 Minuten wieder loslegt, von den Fans losgeeist werden.

Und wenn schon im ersten Set das ein oder andere Perlchen wie "Millworker", "Carolina in My Mind", eine wunderbare Version von Buddy Hollys "Everyday" und ein geradezu magisch groovendes "One More Go Round" zu hören gewesen war - jetzt kommt Hit auf Hit: Alte Nummern wie "Only One", "Fire and Rain" und "Your Smiling Face", aber auch Eingängig-Neues wie "You and I Again", ein "neuer Lovesong für eine alte Liebe", wie Taylor erklärt.

Eingebettet ist das alles in ausgeklügelte Arrangements, die unglaublich leichthändig wirken - wie hingetupft. Nur ist das im Pop auch nicht anders als bei Mozart: Gerade diese Leichtigkeit ist die Kunst, die nur die wirklich Großen beherrschen. Und da sind auch die Backgroundstimmen von Kate Markowitz, Andrea Zonn und Arnold McCuller mit von der Partie. Sie schaffen das Kunststück, Taylors Stimme richtig groß klingen zu lassen. Klasse.

Fehlt nur noch der größte Hit, auf den nun wirklich alle in der ausverkauften Liederhalle gewartet haben: "You've Got a Friend". Natürlich folgt der erst im Zugabenteil, bei dem längst alle stehen, sich das Publikum vorne an der Bühne drängelt. Schon beim gezupften Intro werden manche Augen feucht, beim Mitsingen dürften viele Gänsehaut gehabt haben.

Es scheint, als kenne wirklich jeder den Text dieses Songs, den Taylor wie gesagt gar nicht geschrieben hat, sondern eben Carole King. Wie er da aber so sitzt, mit geschlossenen Augen sich auf seinen Gesang konzentriert und die Welle der Sympathie genießt, versteht man, warum er damit eine Nummer eins hatte: Irgendwie glaubt man diesem sympathischen Schlacks, dass er tatsächlich auftaucht, wenn man seinen Namen ruft, um uns zu trösten. Ein großer Abend.

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