Guano Apes mit Proberaum im Gepäck

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Der Proberaum sieht gemütlich aus. Plakate von Kurt Cobain und Rage Against The Machine hängen an der gemauerten Wand. Schräg hinter einem kleinen Schlagzeug steht das Sofa, auf dem Sandra Nasic sitzt: Run-DMC-Kapuzenpulli, schwarze Jeans, Nike Airs, Mikrofon. Sie singt „Maria“, Dennis sitzt am Schlagzeug, Gitarrist Henning und Bassist Stefan sind auch da. Es ist 1997, die Guano Apes üben die Songs für ihr Debutalbum „Proud Like A God“ ein, das sie wenig später weltberühmt machen wird. So könnte es gewesen sein in jenem Sommer.

Im Stuttgarter LKA ist es leicht, auf Zeitreise zu gehen. Der Liveclub sah schon vor 20 Jahren so wunderbar verratzt aus. Abgesehen von den Bierpreisen deutet nichts auf 2017 hin. An diesem Montagabend haben die Guano Apes die Proberaum-Szenerie auf der Bühne nachgebaut. Erst nach drei Liedern werden die Wände zur Seite geschoben und geben den Blick frei auf das große Schlagzeug, an dem sich Dennis Poschwatta die folgenden eineinhalb Stunden völlig verausgabt. Zuvor hatte die Alex Mofa Gang mit Pop-Punk und Stagedive-Versuchen für Stimmung gesorgt.

Auf die alten Zeiten

Die Guano Apes sind nicht die ersten, die ihren alten Platten neues Leben einhauchen. Meist geht es da um Kommerz, um viel Ertrag mit wenig Aufwand. Im Falle von „Proud Like A God“ mag man das nicht unterstellen. Sandra Nasic und Co. hatten wohl einfach wieder Lust, sich auf alte Zeiten zu besinnen, als ihr unverwechselbarer Crossover-Sound rund um den Globus einen Nerv traf, als praktisch jeder auf dem Schulhof „Open Your Eyes“ und „Lords Of The Boards“ mitschreien konnte. Die meisten, die am Montag vor der Bühne im LKA stehen, sind mit dem Album zwei Jahrzehnte älter geworden. Für einen veritablen Moshpit reicht es aber noch allemal, denn die Guano Apes pushen sich wie einst bis ans Limit. „Lose Yourself“ von Eminem und das zeitlose „Precious“ von Depeche Mode gehören ebenfalls zum Set – beide Coverversionen sind auch auf dem 2017er-Album zu finden. Ebensowenig durfte in Stuttgart „Big in Japan“ fehlen, das die Apes seinerzeit Alphaville entliehen haben und ebenfalls einschlug.

Nur „Lords Of The Boards“ fehlt am Ende des großartigen Konzerts. Als das Publikum nicht aufhört, den Song einzufordern, kommt Schlagzeuger Dennis nochmal aus dem Backstage herabgestiegen und erklärt, Sandra plage sich mit einem Infekt. Die Power reiche nicht mehr, man habe sich gar überlegt, das Konzert ganz abzusagen. So weit musste es glücklicherweise nicht kommen.

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