Goldener Biber für Lacants „Fremde Tochter“

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In Biberach ausgezeichnet: „Fremde Tochter“.  Foto: 

Biberach. Die fremd gewordene Tochter flucht auf Deutsch und betet auf Arabisch.  Das ist das Spannungsfeld, in dem der Filmemacher Stephan Lacant sein multikulturelles Sozialdrama angesiedelt hat. Für „Fremde Tochter“ hat er nun den Goldenen Biber erhalten, den mit 8000 Euro dotieren Hauptpreis der Filmfestspiele im oberschwäbischen Biberach.

Im trostlosen Mannheimer Arbeitermilieu verliebt sich Lena, die schwer zu bändigende Tochter (Elisa Schlott) einer derangierten Alleinerziehenden (Heike Makatsch) in  einen Muslim. Mit weitreichenden  Folgen: ungewollte Schwangerschaft und die Wahl zwischen Abtreibung und Hochzeit auf Arabisch. Lena entscheidet sich für Letzteres, setzt das Kopftuch auf und bereitet sich in der Moschee auf das Leben als Muslima vor.

Autor Lacant trägt dick auf in seiner Milieugeschichte, es wird geprügelt, geflucht und geschossen, und die Frauen sind immer wieder Opfer fieser (deutscher) Chefs und anderer Lustmolche. Auch der Islam, der in der Moschee zu deutschen Untertiteln gepredigt wird, wirkt nicht gerade vertrauenerweckend. Er will zwar keinen Ungläubigen an den Kragen, trennt aber rhetorisch scharf  zwischen  Gottesfürchtigen und Irregeleiteten. „Alles stimmig recherchiert“, betont der Filmemacher. 

Der Biberacher Jury gefiel genau diese „kompromisslose   Erzählweise“, die von den Darstellerleistungen noch befördert wird. Die SWR-Produktion läuft am  22. November um 22 Uhr im Südwest-Dritten.

Gleichwohl gab es auch einen eigenen TV-Preis des Festivals. Der Fernseh-Biber ging an „Die Notlüge“ –  ebenfalls eine SWR-Pro­duktion, in Zusammenarbeit mit dem ORF.  Die Österreicher haben als Nachfolger ihrer schrägen „Landkrimi“-Reihe nun die „Stadtkomödie“ aus der Taufe gehoben, die Pilotfolge ist eine doppelbödige Familien-Satire mit Josef Hader in der Hauptrolle. Der Kabarettist ist hier zwar nur Darsteller, es steckt aber viel Hader-Humor in der Story um einen aus dem Ruder laufenden Geburtstagsbesuch. Der SWR zeigt „Die Notlüge“ erst nächstes Jahr. Die Österreicher  sind schneller und nehmen die Familien-Satire ins Vorweihnachtsprogramm.

Und nach Weihnachten gibt dann Herbert Knaup im Ersten den Augsburger Kaufmann Jakob Fugger, der in Rom des 15. Jahrhunderts Kardinäle kauft, damit sie ihm seinen Wunsch-Papst wählen. „Die Puppenspieler“ ist ein melodramatisches Geschichts-Epos um Bestechung, Verrat und Hexenverbrennung. Die Verfilmung des Romans von Tanja Kinkel blieb in Biberach aber ohne Auszeichnung.

Die Besucher ließen sich von solch schweren Stoffen nicht abschrecken: 15 000 Kinogänger an sechs Festival-Tagen sind Besucherrekord beim Biberacher Filmfest. Viele Vorstellungen waren ausverkauft. 

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