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"Das könnt vom Polt sein", ist ein stehender Spruch in Bayern. Seine Art, die Menschen zu sehen und sie zu spielen, ist Teil der Alltagskultur: Der "angewandte Komiker" Gerhard Polt feiert seinen 70. Geburtstag.

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  • Wenn Gerhard Polt den lachenden Spießer gibt, kann einem bisweilen das Lachen im Halse stecken bleiben. Foto: Imago 1/2
    Wenn Gerhard Polt den lachenden Spießer gibt, kann einem bisweilen das Lachen im Halse stecken bleiben. Foto: Imago
  • "Leberkäs Hawaii" ist die dritte von neun CDs der Sammelbox "Opus Magnum". 2/2
    "Leberkäs Hawaii" ist die dritte von neun CDs der Sammelbox "Opus Magnum".
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Komischerweise fühlt man sich wie in einer Kirche. Die Leute stehen andächtig und schauen oft nach oben. Nur, dass sie Kopfhörer tragen und lachen, und zwar nicht gleichzeitig, sondern jeder für sich. Weil ja jeder gerade etwas anderes sieht, hört und lustig findet.

Da ist Gerhard Polt als Papst mit Laubbläser, als stolzer Besitzer der armen, stummen Mai Ling, beim Auftritt mit der Biermösl Blosn und vor schwedischem Publikum. Und als er selbst, in der Strickjoppe am Tisch sitzend, erklärt, wie das zum Beispiel kommen konnte: "Irgendwer muss ja schwedisch lernen. Das war halt dann ich."

Jeder Bildschirm in der Geburtstagsausstellung im Literaturhaus München zeigt einen anderen Polt. Jeder der vielen Menschen, die einander hier friedfertig auf die Füße treten, wartet auf seine ganz persönlichen Lieblingssätze. Sätze, die man hören muss, denn die "Tonalität", sagt Polt, sei ja das Entscheidende an der Verständigung. Dass auch das Schweigen einen Klang, das "Nichtvorhandensein eines Satzes" einen Bergsee an Bedeutung haben kann, das kann kaum jemand so schön zeigen wie dieser Gerhard Polt, der am 7. Mai 70 Jahre alt wird.

"Nach einiger Zeit unsteten Verweilens unter anderem auch in der Kindheit beschloss ich dann doch, den Beruf des angewandten Komikers zu übernehmen. Diesen Beruf übe ich zuweilen heute noch aus." Für jemanden, der den Begriff der Freiheit mit dem bayerischen Irrealis erklärt - der lasse die Wahl -, ist das eine erstaunlich klare Aussage.

Eigentlich liegt ihm das Definieren überhaupt nicht: "Es gibt kein Ziel und kein Ende, sondern immer nur die nächste Geschichte", erklärt er der Fotografin Herlinde Koelbl im Interview. Es gibt immer nur den nächsten Menschen, dem man ablauschen kann, wie er sich in seinen eigenen Worten verfängt, wie er sich die Welt erklärt und meistens daran scheitert.

Die Hundebesitzer, die Schrebergartler, die, die am Straßenrand der Geschichte stehen, interessieren Polt vor allem. Er spricht nicht über sie - er spricht sie, verkörpert sie, in ihrer Hilflosigkeit, in ihrer Borniertheit, auch in ihrer Gefährlichkeit. Alles, was er diese Leute sagen lässt, hätte real zumindest so gesagt werden können; der Ausruf"das könnt vom Polt sein!" gilt in Bayern als Qualitätssiegel für Alltags-Anekdoten mit tieferem Wahrheitsgehalt.

Gerhard Polt muss von früh an ein gutes Ohr gehabt haben für Menschen, davon zeugen seine Kindheitserzählungen aus dem erzkatholischen Altötting und später aus München. In abgewandelter Form tauchen sie immer wieder auf, diese Figuren und Geschichten - wie die vom Kurzwarenhändler, der sich mit dem Zettel von der Welt verabschiedet: "Maria, erschrick nicht, ich häng im Kammerl." Dass das Schreckliche und das Lustige so nah beieinanderliegen können, das kann sich so tief wohl nur einem eingeprägt haben, der in den Ruinen einer zerbombten Stadt gespielt hat.

Später beginnt Polt zu studieren, unter anderem Skandinavistik, wofür er einige Jahre in Schweden verbringt. Zurück in München arbeitet er als Übersetzer, Dolmetscher und Lehrer, produziert sein erstes Hörspiel und trifft auf einen Bekannten aus Kindertagen, den Regisseur Hanns Christian Müller. Der baut den Gerhard, der so lustige Geschichten erzählt, in eine Revue ein.

"So hineingerutscht" sei er in sein Künstler-Leben, pflegt Polt zu sagen. Irgendwie lernt er immer die richtigen Leute kennen: Dieter Dorn, Dieter Hildebrandt, die Biermösl Blosn, mit der er viele Jahre auf der Bühne steht. Gisela Schneeberger wird seine Partnerin in der Fernsehserie "Fast wia im richtigen Leben". Es entstehen Filme wie "Kehraus" und "Man spricht deutsch". Nummern wie "Democracy today", eine beißende Satire auf das Demokratieverständnis der CSU, oder der "Leberkäs Hawaii", werden oft und oft zitiert.

Polts offensiv vertretenes Phlegma - "Ich sinnlose vor mich hin", hat er dem SZ-Magazin erläutert - hat nicht verhindern können, dass ein stattliches Werk in Buch-, Film- und Bühnenform zustande gekommen ist. Die Figur Gerhard Polt steht inzwischen so gut wie außerhalb der Kritik. Obwohl Unfehlbarkeit für ihn nun wirklich kein Thema ist. Menschen sind doch viel interessanter.

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