Friedrichs preußischer Kunsttempel

Ein preußischer Kunsttempel in Potsdam: Die 1763 vollendete Bildergalerie im Park Sanssouci ist der älteste noch erhaltene Museumsbau in Europa.

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Winterstimmung im barocken Park Sanssouci. Foto: dpa

Ein langgestreckter schlichter Bau im Äußeren, ein Fest für die Augen im Inneren: Das Licht, das durch die bis zum Boden reichenden Fenster fällt, der kostbare Marmor des Bodens und der Wände, die reichvergoldeten Stuckverzierungen - mit den herausragenden Skulpturen und dicht gehängten kostbaren Gemälden entsteht ein überwältigender Eindruck. 2013 feiert die Bildergalerie Friedrichs des Großen im Park Sanssouci in Potsdam ihren 250. Geburtstag.

"Um die Galerie zu sehen, unternehmen hier alle Menschen von Geschmack die Reise von Berlin nach Potsdam", berichtete der Marquis dArgens, Berater und enger Vertrauter des preußischen Monarchen, seinem König bereits 1760. Da war das Haus noch im Bau. Nach dem Petersdom in Rom sei es das "Schönste, was es auf der Welt gibt", schmeichelte er in einem Brief.

Friedrich der Große war ein leidenschaftlicher Kunstsammler. Während er als Kronprinz eine Vorliebe für französische Genremalerei besaß, passte er mit der Thronbesteigung 1740 seinen Kunstgeschmack der neuen Würde an: "Er spezialisiert sich auf klassische Gemälde", erzählt Franziska Windt, Gemäldekustodin bei der Schlösserstiftung. Kunstagenten in ganz Europa erwerben Bilder für den preußischen König, der mit seiner Sammlung Kennerschaft und zugleich seinen Machtanspruch in Europa demonstriert.

1755 beauftragt der König seinen Hofbaumeister Johann Gottfried Büring mit der Planung eines Galeriegebäudes neben Schloss Sanssouci. Büring entwirft ein eingeschossiges Bauwerk mit bekrönender Kuppel: Die langgestreckte Front schmücken 18 Marmorskulpturen. Der Eingang zum Galerieraum ist mit einem Fußbodenmosaik aus kunstvollen Marmorintarsien verziert.

Die meisten Werke kauft Friedrich der Große eigens für das neue Haus. "Er lässt niederländische und italienische Gemälde für die Bildergalerie erwerben", sagt die Kustodin. "Das sammelt man auch in Dresden, in London oder Paris, das ist der Standard, den alle Herrscher haben wollten." Das heutige Hauptwerk, "Der ungläubige Thomas" von Caravaggio, kam jedoch erst im 19. Jahrhundert hinzu.

Die Sonderausstellung, die nach der Winterpause zum 250. Geburtstag der Bildergalerie im Mai eröffnet wird, versucht erstmals, die ursprüngliche Ausstattung unter Friedrich dem Großen zu rekonstruieren: So kehren antike Skulpturen, die sich seit 1830 in Berlin befinden, als Leihgaben der Staatlichen Museen nach Potsdam zurück. Eine Neuhängung, die auch die jüngst zurückgegebenen Gemälde integriert, nähert sich der friderizianischen Präsentation an. Das "Schönste der Welt" war die Galerie den Zeitgenossen. Einer der schönsten Museumsbauten ist das Gesamtkunstwerk auch nach 250 Jahren noch.

Info Die Ausstellung "Die Schönste der Welt" in der Bildergalerie im Park Sanssouci läuft von 9. Mai an.

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