Frieder Bernius: Reine Poesie

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    Frieder Bernius gründete 1968 den renommierten Stuttgarter Kammerchor. Foto: 
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1968 hat Frieder Bernius den Kammerchor Stuttgart gegründet. Er leitet ihn bis heute. Zum 70. Geburtstag des Dirigenten, jetzt am 22. Juni, ist die CD „Lieder im Freien zu singen“ erschienen, mit der sich das Mendelssohn-Projekt der Stuttgarter nun langsam dem Ende zuneigt.

Das gesamte geistliche Chorwerk des Frühvollendeten liegt bereits auf zehn CDs vor, 2019 folgt noch die „Walpurgisnacht“. Um zu verstehen, welch inniger romantischer Reiz bis heute von diesen Liedern ausgeht, lässt man am besten den Komponisten selbst zu Wort kommen. Nachdem er im Freien sein Lied „Im Walde“ (op. 41 Nr. 1) gehört hatte, schrieb er am 3. Juli 1839 an seine Mutter: „Da war es in der Waldstille bezaubernd, dass mir beinah die Thränen in die Augen kamen. Wie lauter Poesie klang es.“ Der Weltklasse-Chor und sein Dirigent bringen diese Poesie auf der CD so rein und klar zum Ausdruck, dass es auch heute noch zu „Thränen“ rührt (Carus Verlag).

Herr Bernius, Sie werden 70, und Ihr Kammerchor feiert nächstes Jahr ebenfalls einen runden Geburtstag: den Fünfzigsten. Was wird Ihnen unvergesslich bleiben?
Beginnen wir mit markanten Daten und Orten: der Gewinn des Deutschen Chorwettbewerbs in Köln 1982, die erste Einladung nach Israel 1984 mit Bachs h-Moll-Messe, ein Konzert beim 1. Weltsymposion für Chormusik in Wien 1987 und 1996 eines im Opera House von Sydney. Fünf Konzerte bei Bach-Festen in Leipzig in der Nikolai- und Thomaskirche sowie Konzerttourneen nach Asien. In Peking haben wir im größten Konzertsaal Chinas konzertiert. Unvergessen bleibt mir aber auch unser gemeinsames Ringen um klangliche Ergebnisse und deren Aufführungen auf vier Kontinenten.

Warum haben Sie sich ausgerechnet die Mendelssohn-Lieder zum Geburtstag gewünscht?
Die Veröffentlichung zu diesem Zeitpunkt ist eher Zufall. Aber andererseits passen die Lieder gut zur Jahreszeit. Und dann ist es ein weiterer Baustein, der sich in mein Vorhaben einfügt, mich um den ganzen Mendelssohn zu bemühen. Wichtig war mir auch, dass der Carus-Verlag gleichzeitig das „Requiem“ von Ligeti veröffentlicht, das 2006 eingespielt worden ist. Damit wird in einer gewissen Spannbreite vermeintlich leichte und offensichtlich schwierige, anspruchsvolle Literatur gegenübergestellt.

Worin liegt der besondere Reiz dieser „leichten“ Lieder?
Ja, das vermeintlich Leichte ist oft das Schwierigste! Diese „Lieder im Freien zu singen“ bedeuten für mich nicht, dass sie nur im Wald geschmettert werden sollen, um ein glückliches Natur- und Lebensgefühl zu demonstrieren. Es sind poetisch reizvolle Klanggebilde, in denen der Komponist differenziert auf den Text antwortet. Sie werden oft von Amateur-Chören gesungen, und das ist auch gut so. Darüber hinaus wollen wir zeigen, welch unerschöpflich gestalterisches Potenzial in diesen Miniaturen schlummert.

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