Flamenco mit viel Hacke, Spitze

Seit zwei Jahren beherbergt das Theaterhaus das Stuttgarter Flamenco-Festival: Die aktuelle Haupt-Produktion "Kain" feierte nun Premiere.

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Seit zwei Jahren darf sich der der iberische Traditionstanz nun ins immaterielle Weltkulturerbe einreihen, was der Stuttgarter Flamenco-Instanz Catarina Mora zweifellos gefällt. Doch die charismatische Chefin des Flamenca-Ensembles (die weibliche Endung ist Programm!) will die Kunst der edlen Posen und Absatzgewitter weiter entwickeln, weit über das Folkloristische hinaus. Um die Parallele zu den erfolgreich kickenden Landsleuten zu ziehen: Eine Art tänzerisches Tika-Taka in Formvollendung, Spitze-Hacke in Reinkultur und mit ambitioniertem Hintergrund.

Für ihr neuestes Stück haben sich Mora und ihre Mitstreiter beim portugiesischen Nobelpreisträger und Nobel-Agnostiker José Saramago bedient. Dessen letzter Roman "Kain" lässt den berühmtesten Brudermord der biblischen Geschichte als Ersatzhandlung für den verhinderten Gottvatermord erscheinen, denn Adams Ältester ist vom rechten Glauben abgefallen. Auf der Theaterhausbühne fleezt er sich als Almodóvar-Verschnitt in Gestalt des Flamenco-Stars Miguel Angel im Sessel, während ihm Gott (Rafael Fontaina) wacker mit Stöcken den Takt vorgibt und ihn Lilith (Charo Espino) geschmeidig und temperamentvoll umgarnt.

Die tänzerischen Passagen sind die stärksten Momente dieser anderthalbstündigen Produktion, die Mora inszeniert und Angel choreographiert hat. Ansonsten zerfällt sie in Einzelteile, gerät auch ein wenig aus dem Tritt als eine Mischung aus Kinderkrippenspiel, (Anti-)Bibelstunde mit Engel-Singsang, Parodie und hingebungsvollen Duellen der Flamenco-Kombattanten. Ein Gesamtkunstwerk, das die Grenzen des Genres auslotet, aber nicht unbedingt nachdrücklich verschiebt. Die Stuttgarter Fan-Gemeinde der hohen Flamenco-Kunst jubelte jedoch ungemein, statt der sonst eher üblichen "Bravi" gab"s diesmal das eine oder andere "Olé!"

Info Heute, Dienstag, wird das Festival fortgesetzt mit einem Flamenco-Überraschungsgast im "Produktionszentrum Tanz und Performance", und morgen kommen die "Flamenquitos" ins Theaterhaus.

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