Felicitas Andresen erhält den Thaddäus-Troll-Preis

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Die Hesse-Expertin Felicitas Andresen.  Foto: 

Felicitas Andresen erhält morgen in Stuttgart den Thaddäus-Troll-Preis. Ihr Buch „Sex mit Hermann Hesse“ (Verlag Klöpfer & Meyer) sorgte rund um das Hesse-Museum Gaienhofen am Bodensee für Aufregung. Schildert es doch den Alltag einer „Aufsichtsbeauftragten“, als die sich die 1939 geborene Autorin nebenbei verdingt. Die Jury lobte „einen Schelmenroman, der in einem schnoddrig-respektlosen Ton aus der Dienstbotenperspektive auf den großen Dichterhelden Hermann Hesse schaut und dessen menschliche, allzu menschliche Seiten besser aufspürt als die meisten akademischen Abhandlungen.“

Sie waren Schauspielerin, Sozialpädagogin, Soziologin. Wie hat man sich das vorzustellen?

Felicitas Andresen: Zuerst war ich Schauspielerin, ich hatte ein Engagement in Detmold beim Landestheater. Nebenbei habe ich studiert: Kunstgeschichte, Geschichte und Archäologie. In Detmold lernte ich meinen Mann kennen, wir haben geheiratet und bekamen zwei Kinder. Da konnte ich nicht mehr als Schauspielerin arbeiten und habe stattdessen Sozialarbeit studiert, ganz klar mit dem Ziel, die Welt zu retten.

Jetzt sind Sie Schriftstellerin – und weiterhin „Aufsichtsbeauftragte“ im Museum?

1993 habe ich meinen ersten Roman veröffentlicht, 1995 kam mein erstes Kinderbuch. Dann löste sich die Ehe auf, die Kinder zogen in die Welt, meine Mutter an den Bodensee. 1996 bin ich selbst an den Bodensee gezogen und habe bis 2009 in einer anthroposophischen Heimsonderschule gearbeitet. Nebenbei habe ich natürlich immer geschrieben. Und seit 2009 bin ich Betreuerin im Museum. Wir machen die Kasse und geben Auskunft über Hermann Hesse. Wir sind dort so kleine Allrounder.

Was bedeutet der mit 10 000 Euro dotierte Thaddäus-Troll-Preis für Sie?

Lassen Sie mich das mal so sagen: Das offene Schreiben über Dinge des persönlichen Alltags stößt nicht immer auf Begeisterung. Ich musste etliche Vorwürfe und Kritik einstecken. Und damit ist der Preis auch eine Art Pflaster auf die Wunden. Er ist nicht nur dotiert, sondern auch mit der Ehre der Jurytätigkeit verbunden.

Als dieser Roman erschien, gab es Aufregung im Museum. Bis heute wird er dort nicht verkauft. Wieso?

Es ist kein Sachbuch über Hesse.

Sie sind eine große Hesse-Kennerin, lasen auch bei den vorletzten Hermann-Hesse-Tagen auf dem Schiff. Könnten Sie mir Ihre Lieblingsbücher zu diesen Stationen nennen?

Also zu Calw „Aus Kindertagen“, zu Maulbronn „Unterm Rad“. Aus Basel und Tübingen den „Hermann Lauscher“, den mag ich sehr gerne. Zu Gaienhofen, da habe ich die kurzen tagebuchartigen Beschreibungen am liebsten und würde „Vor meinem Fenster“ empfehlen. Dann den „Kurgast“ aus den zwanziger Jahren und „Stunden im Garten.“

Wie sehen Sie die Besucher heute, die nach Gaienhofen kommen? Hat sich durch die Neugestaltung des Hesse-Museums etwas am „Wallfahrtsort“, wie sie ihn genannt haben, geändert?

Ich behaupte ganz frech, dass sich durch die Neugestaltung etwas vom Provinziellen ins Urbane bewegt hat. Und das merkt man auch an den Besuchern.

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