Europäischer Filmpreis: "Ewige Jugend" räumt ab

Kein Europäischer Filmpreis für "Victoria", dafür holte Paolo Sorrentino zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit die Trophäe für den besten Film.

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Als beste Darsteller geehrt: Charlotte Rampling für "45 Years" und Michael Caine für "Ewige Jugend".  Foto: 

Der europäische Film findet die "Ewige Jugend" in einem heiter-melancholischen Werk über zwei alte Männer. Bei der Verleihung des 28. Europäischen Filmpreises gewann Paolo Sorrentinos Tragikomödie mit Michael Caine und Harvey Keitel die wichtigen Preise.

Sorrentino wurde auch als bester Regisseur geehrt, sein 82-jähriger Hauptdarsteller Caine, der im Film einen pensionierten Dirigenten mit Sinnkrise spielt, erhielt die Auszeichnung als bester Schauspieler und aus den Händen von Regisseur Wim Wenders obendrein noch einen Sonderpreis der Europäischen Filmakademie für sein Gesamtwerk. "Ich kann Ihnen nicht sagen, was das bedeutet!", rief der sichtlich gerührte Brite ins Publikum.

Oscar-Preisträger Sorrentino hatte bereits vor zwei Jahren mit "La Grande Bellezza" die Trophäe für den besten Spielfilm geholt.

Die britisch-französische Schauspielerin Charlotte Rampling wurde nicht nur für ihr Lebenswerk, sondern auch als beste Schauspielerin für ihre Rolle in dem Ehedrama "45 Years" geehrt - und war den Tränen nahe. Auf eine bestimmte Art seien Schauspieler wie Kinder: "Ich denke, wir alle wollen anerkannt werden und gesagt bekommen: Du hast heute gute Arbeit geleistet."

In der Kategorie beste Schauspielerin war auch "Victoria"-Darstellerin Laia Costa nominiert, musste sich aber Rampling geschlagen geben. Christian Friedel, der für "Elser" als bester Schauspieler in der Auswahl war, hatte gegen Caine ebenfalls keine Chance.

Die Deutschen waren mit Sebastian Schippers dreifach nominiertem Echtzeit-Thriller "Victoria" und großen Hoffnungen ins Rennen gegangen - wurden bei der Gala in Berlin aber enttäuscht. Die Mitglieder der Filmakademie gingen mit ihrer Wahl für den erlesen elegischen Bilder- und Gefühlsrausch "Ewige Jugend" auf Nummer sicher - und entschieden sich gegen das filmische Wagnis. Ebenso experimentell wie der 138 Minuten lange, in nur einer einzigen Kameraeinstellung gedrehte Berlin-Krimi "Victoria" war Mitfavorit "Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach". Der Schwede Roy Andersson gewann für seinen skurrilen Film über zwei trübsinnige Scherzartikel-Verkäufer immerhin den Preis für die beste Komödie.

Oscar-Preisträger Christoph Waltz nahm derweil sichtlich gerührt und mit zittriger Stimme den Europäischen Filmpreis für seinen "Beitrag zum Weltkino" entgegen.

Auch politisch wurde es bei der Gala. "Europa geht durch eine harte Zeit. Und unsere Filme, die wir heute Abend feiern, zeigen eigentlich eine andere Art von Europa", sagte Wim Wenders, der Präsident der Europäischen Filmakademie ist. Sie zeigten eine europäische Filmfamilie, die sich gut verstehe. "Und das ist ja eigentlich in Europa gerade nicht angesagt. Und ich glaube, wir müssen ein bisschen auch mit einem guten Beispiel vorangehen."

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