Es bleibt in der Familie

"Das Erwachen der Macht" ist eine Hommage an das Star-Wars-Original, in Teilen sogar ein Remake. Regisseur J. J. Abrams gelingt es, die Generationen zusammenzuführen - von Fans und Figuren.

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Du hast deine Haare anders, sagt Han Solo. Du hast noch immer deine alte Jacke, sagt Leia. Sie blicken sich in die Augen, der Zuschauer sieht in diese nicht mehr ganz jungen Gesichter, und alle erkennen, dass viel geschehen sein muss. Drei Jahrzehnte nach der "Rückkehr der Jedi-Ritter" spielt der neue "Star Wars"-Film "Das Erwachen der Macht", gut 30 Jahre sind seitdem in Hollywood auch real vergangen.

Aber irgendwie hat sich doch nur wenig verändert, die Geschichten wiederholen sich, und so hat man in J. J. Abrams' filmischer Wiederbelebung der Saga oft das Gefühl, eine Menge davon schon mal so oder so ähnlich gesehen zu haben. Gut und Böse hauen noch immer wie die galaktischen Kesselflicker aufeinander ein, nur dass sich das finstere Imperiums als totalitäre First Order neu formiert hat und aus der Rebellion die Resistance geworden ist.

Also mitten rein in des Märchens siebte Episode. Die Resistance unter Führung von Prinzessin beziehungsweise General Leia hat ihren besten Piloten Poe Dameron samt Roboter BB-8 auf den Wüstenplaneten Jakku entsendet, weil man dort Informationen über den verschollenen letzten Jedi-Meister Luke Skywalker vermutet. Doch die First Order und ihr Befehlshaber Kylo Ren, der sein Antlitz unter einer Darth-Vader-haften Maske versteckt, sind hinter ihnen her. Poe kommt an die Informationen und kann sie in letzter Sekunde BB-8 anvertrauen, bevor er gefangen genommen wird.

BB-8 wird zum Gefährten von Rey, einer jungen Frau, die ein trauriges Leben auf Jakku fristet und dort auf ihre Familie wartet. Poe gelingt derweil mithilfe des abtrünnigen Sturmtrupplers Finn die Flucht, sie beide stürzen aber auf Jakku ab. Während Poe tot scheint, werden Finn, Rey und BB-8 zur Schicksalsgemeinschaft. Mit den Finsterlingen auf den Fersen, gelingt es ihnen, Jakku zu verlassen: in einem altbekannten schrottigen Raumschiff. Bald sind weitere gute alte Bekannte im Spiel: Die Flüchtenden treffen auf Han Solo und Chewbacca, und bald zucken allen die Laserstrahlen um die Ohren.

Ohnehin gibt es nur wenig Grund zur Freude in der fernen Galaxis, denn das Imperium, pardon, die First Order, hat mal wieder eine ultimative Waffe gebaut, einen neuen Todesstern, pardon, den Starkiller, und so läuft die Chose erneut auf einen bombigen Showdown heraus.

"Star Wars" aber wäre nicht "Star Wars", wenn nicht auch Familienbande eine Rolle spielten, verlorene Söhne und so. Kylo Ren ist der dunklen Seite der Macht verfallen und wird von einem bösen Über-Wesen namens Supreme Leader Snoke befehligt. Auch in Rey scheint die Macht stark zu sein. Und Luke hat sich gewiss nicht nur zurückgezogen, um sich einen Obi-Wan-Bart wachsen zu lassen.

Mehr soll hier nicht verraten werden, denn die Geschichte entfaltet sich trotz der wiederkehrenden Elemente, Anspielungen, Zitate und reichlich Zufällen recht spannend. Nur so viel: Star-Wars-Fans werden etliche Gänsehaut-Momente erleben und womöglich auch die ein oder andere Träne verdrücken.

"Star Wars" zeigt J. J. Abrams zugleich als Fan wie als virtuosen Filmemacher. Der Mix aus Thrill, Abenteuer, Herz und viel Humor stimmt. Und Abrams gelingen einige atemberaubende Bilder und spektakuläre Sequenzen - wobei die finale Schlacht nicht unbedingt der Action-Höhepunkt ist. Schön ist, dass "Das Erwachen der Macht" weitgehend den "used look" der ersten Trilogie hat: Dies ist ein Universum mit Gebrauchsspuren.

So wirkt der Film wie eine Hommage an das Original, man könnte sogar von einem aufgefrischten Remake sprechen. Was nicht heißt, dass nicht neue Erzählstränge geknüpft werden, die in künftigen Episoden aufgenommen und fortgesponnen werden können.

"Das Erwachen der Macht" will nicht weniger, als die Star-Wars-Generationen zusammenführen - die Fans, aber auch die Figuren. Alte Recken haben noch einmal große Auftritte, gerade Harrison Ford hat man lange nicht mehr so engagiert gesehen wie hier als Han Solo. Ohne C-3PO und R2-D2 läuft die Chose auch nicht ab; und der neue Kult-Droide, der kugelnde BB-8, ist ein herzerwärmendes Kerlchen.

Die wahre Hauptfigur ist aber Rey, und die Britin Daisy Ridley hat die Zuschauer sofort auf ihrer Seite: Sie rührt an, in ihrem Aufgeworfensein, mit ihren vielen Fragen, auf eine Familie wartend, die vielleicht niemals zurückkommt. John Boyega als Finn und Oscar Isaac als Poe Dameron sind ebenso voll bei der Sache und werden zu Sympathieträgern, während Adam Driver den abgründigen Kylo Ren als psychotischen Darth-Vader-Fanboy spielt, was den Kern des Charakters treffen dürfte.

Die Macht ist also erwacht - wenn sie denn je geschlafen hat. Fortsetzung folgt, am 26. Mai 2017. Man kann sich darauf freuen.

Der Soundtrack

Musik Fanfaren, martialisches Schlagwerk, schwelgerische Melodien, düstere Chöre - was wäre "Star Wars" ohne die Musik? John Williams, der mit dem ersten Sternenkrieg-Soundtrack die Filmmusikgeschichte prägte, mittlerweile 83 Jahre alt ist und Abrams "Baby J. J." nennt, hat seinen klanglichen Star-Wars-Kosmos um etliche neue Themen erweitert: Darunter ist ein wunderbar warmes Thema für Rey und ein zupackender Marsch für die Resistance. Auch das werden die Fans lieben.

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