Endgültig: SWR-Orchester fusionieren

Die beiden international renommierten Sinfonieorchester des Südwestrundfunks werden fusioniert. Das hat der SWR-Rundfunkrat beschlossen.

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Bis ins Jahr 2020 will der Südwestrundfunk (SWR) 166 Millionen Euro einsparen - und auf der Strecke bleiben nun die beiden großen Sinfonieorchester. Der SWR-Rundfunkrat hat gestern in Mainz die umstrittene Fusion der international renommierten Klangkörper beschlossen. Ein Antrag, die endgültige Abstimmung noch bis 2013 zu verschieben, wurde abgelehnt.

SWR-Intendant Peter Boudgoust sagte, auch nach intensiven Gesprächen habe es keine finanzierbare Alternative zu der Entscheidung gegeben: "Man muss kein Totengräber der Kultur sein, weil man das Positive der Fusion sieht." Nach dem Beschluss sollen das Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg sowie das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart aus Spargründen ab 2016 fusionieren - das Sparziel war fünf Millionen Euro pro Jahr, also ein Viertel des Budgets der beiden Orchester. Statt 200 Musiker in zwei Orchestern werden dann rund 120 Musiker beschäftigt sein. Eine Gruppe von Orchestermusikern war nach Mainz angereist und reagierte mit Entsetzen auf das Votum.

Der Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) warf der SWR-Leitung vor, mit dem Fusionskonzept würden "zwei Ensembles der europäischen Spitzenklasse" aufgelöst. "Kulturpolitisch halte ich das für falsch", sagte er. Der SWR habe zu enge Fristen für die Suche nach einer neuen Rechtsform für die Orchester vorgegeben.

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, erklärte in Berlin, die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten hätten eine besondere Verpflichtung gegenüber der Kultur. "Dieser Verantwortung wird der SWR mit der heutigen Entscheidung nicht gerecht." Es sei längst überfällig, dass überprüft werde, inwieweit ARD und ZDF ihrem Kulturauftrag noch in seiner ganzen Breite nachkämen. Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung, sprach von einem "schwarzen Tag für die Rundfunkklangkörper in Deutschland". Der SWR habe sich selbst fast eineinhalb Jahre Zeit gelassen, um das Fusionsmodell auf den Weg zu bringen. Fördervereine und Kritiker hätten hingegen nur drei Monate gehabt, um über die Sommerpause alternative Modelle zu entwickeln, erklärte die Vereinigung. Wo das neue große Sinfonieorchester seinen Standort hat, bleibt vorerst offen.

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