Ein Konzertsaal für Carmen Würth

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    Das Carmen-Würth-Forum – Kunst gehört natürlich auch dazu: im Vordergrund die „Mädchengruppe“ von Georg Baselitz. Fotos: Foto: 
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    Zum Carmen-Würth-Forum in Künzelsau gehört auch ein Skulpturenpark. Foto: 
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Am Anfang gab es nur ein paar Striche. Auf einer Serviette skizzierte Reinhold Würth seine Idee eines Kulturzentrums. Zehn Jahre später ist aus der Kritzelei das Carmen-Würth-Forum geworden, das der Künzelsauer Unternehmer seiner Frau widmet. Wo vorher Rüben und Korn wuchsen, entstand auf einen sanften Hohenloher Hügel ein Bauwerk, das zunächst durch seine Schlichtheit überrascht. Es duckt sich geradezu in die Landschaft, ordnet sich der Umgebung unter. Erst im Innern offenbart der Entwurf aus dem Berliner Büro des weltweit agierenden Star-Architekten David Chipperfield seine zeitlose Eleganz.

Paul Krämer, der Projektsteuerer, hat in seinen 23 Jahren bei Würth schon so viele Bauvorhaben begleitet, dass ihm die Zahl nicht auf Anhieb einfallen kann. Darunter sind viel beachtete Zentralen von Tochterfirmen im In- und Ausland. Stets hatte der Patriarch Reinhold Würth (82) im Blick, was dort geschieht. „Aber so viel Interesse wie an diesem Forum hat er nie gezeigt“, verrät Krämer. Keine Woche vergehe ohne eine Stippvisite des Chefs, auch schriftliche Nachrichten müssen beachtet werden.

Würth hat bei seinem 80. Geburtstag verkündet, dass die Mehrzweckhalle der Extraklasse gebaut werde. Fertigstellung am 18. Juli 2017, dem Geburtstag seiner Frau Carmen, die er 1956 geheiratet hat. 2007 hatte es bereits einen Wettbewerb gegeben, dabei siegte der Entwurf von Chipperfield, dem auch das Literaturmuseum der Moderne in Marbach zu danken ist. Aber wegen der Rezession lag das Projekt in Künzelsau auf Eis. Mit dem Aufschwung kam der erste Spatenstich. Innerhalb von 15 Monaten wurde der Bau hochgezogen. „Schneller geht’s nicht“, sagt Krämer.

Entworfen von Chipperfield

Die 11 000 Quadratmeter Nutzfläche stehen auf einem 170 000 Quadratmeter großen Areal, direkt neben der Adolf Würth GmbH & Co. KG, die auch als Bauherr auftritt. Um die 60 Millionen Euro wurden ausgegeben. Dafür gibt es jetzt eine multifunktionale Event-Location mit Fassaden aus Stahlglas und Mauern aus gestocktem Beton, „wie beim Ägyptischen Museum in München“, sagt Krämer. Foyer und Mehrzweckbereich sind mit perforierter Kernesche verkleidet, der Boden ist überzogen mit einer roten Polyurethan-Schicht in Würth-Rot (RAL 3020), aufdringliche Logos erübrigen sich.

Es gibt wohl kein Ereignis, keine Veranstaltung, die hier nicht möglich ist. 2500 Besucher finden Platz. Eine allseitig verglaste Galerie wird als „bespielbar“ vorgestellt. Von hier reiche der Blick bis zur Schwäbischen Alb. „Und der Sonnenuntergang ist fantastischer als in Capri“, glaubt Sylvia Weber, die bei Würth für die Museen und neuerdings für die Musik zuständig ist.

Denn zum Gebäudeensemble gehört ein von außen unsichtbarer Kammermusiksaal mit 580 Plätzen und zwei Instrumentenräumen. Das Furnier aus französischer Walnuss ist handverlesen. An der Akustik feilten Münchner Experten wochenlang. Der acht Meter hohe Raum ist gleichsam die Heimat der neuen Würth-Philharmoniker, dem Klangkörper der „Reinhold Würth Musikstiftung“. Den ersten Auftritt hat das Orchester unter prominenter Stabführung. Kent Nagano, weit gereister Generalmusikdirektor der Hamburgischen Staatsoper, konnte für das Konzert am 21. Juli gewonnen werden. Die Karten dafür sind längst vergriffen.

Fest angestellt sinf die Stimmführer, bis zu 40 Tutti-Musiker werden jeweils für eine Saison verpflichtet, sagt Sylvia Weber. Ein fester Chefdirigent ist nicht vorgesehen. Schwerpunkte im Repertoire gebe es nicht. „Von Beethoven bis Schubert ist alles dabei“, deutet sie an, nur gar zu Modernes sei nicht im Sinn von Reinhold Würth, nach dem der Saal benannt ist.

Vor dem Carmen-Würth-Forum erstreckt sich eine befestigte Fläche, die ihre Bewährungsprobe beim Open-Air mit Cro (22. Juli) und Sting (23. Juli) bestehen muss. 10 000 Fans wird auf dem abfallenden Gelände ein guter Blick zur Bühne garantiert.

Vollendet ist das Forum nicht. David Chipperfield nennt auf seiner Homepage für einen zweiten Abschnitt ein Konferenzzentrum und ein Museum für die Würth-­Sammlung. Diese zählt nun 17 500 Werke. Aber Carmen Würths Kollektion könnte dort auch untergebracht werden. Sie hat, neben Krippen, rund 200 Gemälde zusammengetragen. Diese, erklärt Sylvia Weber, eröffneten „einen femineren Blick auf die Kunst“.

Ein Skulpturengarten rund um das Carmen-­Würth-Forum wird nach dem Eröffnungsreigen frei zugänglich sein. Dort stehen bereits weithin sichtbare Werke von Niki de Saint Phalle („Nana dansante bleue“), Georg Baselitz („Mädchengruppe“), Tony Cragg („Points of View“), Eduardo Chillida („Basoa III“), Jaume Plensa („WE 2009“), Anthony Caro („Cathedral“) und
Alfred Haberpointner („Gewichtung“).

Die Freiluft-
Ausstellung
werde noch wachsen, sagte Kunst-Koordinatorin Sylvia Weber. Die Schau befindet sich im Künzelsauer Teilort
Gaisbach (1900
Einwohner),
direkt an der Bundesstraße 19. hgf

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