Ein Bayer, eine Karriere, ein Dokumentarfilm

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Der Interviewer, der zu früh in Joseph Vilsmaiers Perathon Medien GmbH in München-Grünwald eintrifft, bekommt erstmal Leberkäs. Danach kann man sich mit dem gesprächigen 73-Jährigen in den Garten zurückziehen - wozu er freilich eine Zigarre benötigt.

Der gebürtige Münchner wollte eigentlich Musiker werden, studierte Klavier am Konservatorium, 1961 stieg er aber in die Filmbranche ein. Er wurde Kameramann, drehte Fernsehfilme und -serien von "Nonstop Nonsens" bis "Tatort". Sein Regiedebüt "Herbstmilch" wurde 1988 gleich zum Kino-Hit. Hauptdarstellerin war Ehefrau Dana Vávrová, mit der er von 1986 bis zu ihrem Tod 2009 verheiratet war.

13 weitere Kinofilme drehte Vilsmaier bis heute, darunter "Rama dama" (1991), "Stalingrad" (1993), "Schlafes Bruder" (1995), "Comedian Harmonists" (1997), "Marlene" (2000), "Die Geschichte vom Brandner Kaspar" 2008) und "Nanga Parbat" (2010). Für "Schlafes Bruder" gab es eine Oscar-Nominierung.

"Bavaria", sein neuer Film, beginnt mit einem "Ozapft is", und dann erklingt Haindlings "Bayern, des samma mia". Also: Was ist Klischee, wie sieht Bayern wirklich aus? Dazu hat sich Vilsmaier mit einem Hubschrauber samt Cineplex-Kamera in die Lüfte erhoben - mit Hans Ostler, der schon 2006 Franz Beckenbauer zur WM umherflog. Vilsmaier zeigt das Land der Berge und Seen, der Kirchen und Klöster, der prächtigen Städte und urigen Dörfer. Eine Menge ist in den 90 Minuten drin: Bamberg, Nürnberg, Regensburg, Würzburg, Augsburg, Lindau, Altötting, natürlich München, Neuschwanstein und Herrenchiemsee, Tegernsee, Königssee, das Isartal, die Donau. . .

Vilsmaiers Bayern, das bedeutet auch Fingerhakeln und Trachtenumzüge, FC Bayern und High-Tech-Konzerne. Dazu darf Haindling aufspielen und singen, Vilsmaier trägt Hannes Burgers faktenreiche, zuweilen mild-ironischen Texte vor: "Ein Drittel aller deutschen Rindviecher leben in Bayern. Die sind gar nicht so doof: Die wissen, wos am schönsten ist."

Auf der Zugspitze endet die schöne, brave filmische Reise, dann heißt es "Pfiat euch" und der Himmel im letzten Bild ist so blau-weiß wie beim Interview in Grünwald. Vilsmaier lacht: "Der im Nachspann, der ist aber digital." abo

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