Die Wittelsbach-Story

Der Name der Wittelsbacher wird gemeinhin mit Bayern identifiziert. Dass diese Dynastie auch knapp 600 Jahre lang die Kurpfalz regiert und geprägt hat, zeigt jetzt eine Ausstellung in Mannheim.

|
Vorherige Inhalte
  • Aufstieg und Fall des Heidelberger Schlosses - eine Computeranimation zeigt seine Zerstörung - hängen eng mit dem Haus Wittelsbach zusammen. © CES / FaberCourtial 1/2
    Aufstieg und Fall des Heidelberger Schlosses - eine Computeranimation zeigt seine Zerstörung - hängen eng mit dem Haus Wittelsbach zusammen. © CES / FaberCourtial
  • Der Pfalzgraf bei Rhein. © Landesmuseum Mainz 2/2
    Der Pfalzgraf bei Rhein. © Landesmuseum Mainz
Nächste Inhalte

Im Hof des Mannheimer Schlosses steht ein Getränkewagen mit Heidelberger Kennzeichen und dem Schriftzug der Münchner Brauerei Pschorr. Dieser Anblick verbindet auf banale Weise drei glanzvolle Residenzen der Wittelsbacher: Heidelberg, Mannheim, München. Um die und ihre Herrscher geht es in der Ausstellung, die am Sonntag eröffnet wird - wobei München nur im Schlusskapitel ganz kurz gestreift wird. Denn die Wittelsbacher sind auch ohne Bayern ein ergiebiges Thema.

So klammert der Ausstellungstitel "Die Wittelsbacher am Rhein" Bayern von vornherein aus - während der Untertitel "Die Kurpfalz und Europa" dem im Grunde widerspricht. Denn die Oberpfalz, die heute zu Bayern gehört, machte einen großen Teil der Kurpfalz aus.

Damit ist schon fühlbar geworden, dass der territorialgeschichtliche Teil der Ausstellung reichlich vertrackt ist. Es geht im Grunde um die Rheinpfalz und die Pfalzgrafen bei Rhein: Das waren die einflussreichsten unter den Kurfürsten des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. Dieses herausragende Amt wurde von 1214 bis zum Ende der Kurpfalz 1803 vom Hause Wittelsbach besetzt. Das Jahr 2014, in dem sich die Beförderung der Wittelsbacher ins Pfalzgrafenamt zum 800. Mal jährt, bietet den Anlass zu dieser Ausstellung und das "Wittelsbacherjahr", das schon heuer mit zahlreichen Ausstellungen und Veranstaltungen gefeiert wird.

Bevor die Wittelsbacher an den Rhein zogen, waren sie bereits Herzöge von Bayern, wozu der Staufer Barbarossa sie für treue Dienste erhoben hatte. Und so beginnt die Ausstellung im ersten Stock des Zeughaus-Museums mit zwei prächtigen bayerischen Löwen, die sich jeweils an einem Rautenschild festkrallen. Sie sind aus Kelheim - aus gutem Grund: Der erste Wittelsbacher, der vom Stauferkaiser Friedrich II. - ebenfalls für treue Dienste - zum Pfalzgrafen bei Rhein ernannt wurde, war Herzog Ludwig, genannt "der Kelheimer".

Zahlreiche imposante bis putzige Herrscherbilder und -bildchen, Urkunden und Machtinsignien säumen den chronologischen Weg durch die Wittelsbach-Story. Unter den ungefähr 600 Exponaten befinden sich wertvolle Stücke wie die Goldene Bulle von 1356 aus den Museen und Bibliotheken Europas.

Die Story verlief nicht immer nur glücklich: Erbstreitigkeiten führten dazu, dass sich das Haus 1329 mit einem Vertrag in zwei Linien trennte. Die eine zog zurück nach Bayern. Die andere - und mit ihr das Amt und die Kurfürstenwürde des Pfalzgrafen bei Rhein - blieb am Rhein, wo es Kurfürst Ruprecht im Jahr 1400 zur Königswürde schaffte.

Er machte Heidelberg, wo er kurz zuvor die nach ihm benannte Universität gegründet hatte, zur Residenz. Das Heidelberger Schloss wurde unter seinen Nachfolgern weiter ausgebaut - und im Pfälzischen Erbfolgekrieg von den Franzosen in die Luft gejagt. Eine der Computer-Animationen, die zu den Blickfängen der Ausstellung gehören, zeigt, wie sich das Schloss in einen Trümmerhaufen verwandelt.

Anlass zu diesem Krieg hatte eine Fehlspekulation in der wittelsbachischen Heiratspolitik gegeben, dessen Opfer Liselotte von der Pfalz war. Damit befinden wir uns bereits im neuzeitlichen Teil der Ausstellung, der seinen Schauplatz im Barockschloss hat - das selbst ein Teil der Ausstellung ist. Denn Kurfürst Carl Philipp hatte 1720 seine Residenz von Heidelberg nach Mannheim verlegt und dort nach Versailler Vorbild das größte Barockschloss Deutschlands hingestellt. Auch die Entwicklung Mannheims vom Dorf zuerst zur sternförmig befestigten Stadt und dann zur Kurpfalz-Metropole wird in einer eindrucksvollen Animation gezeigt.

Mannheim wurde ein Zentrum der Künste und Wissenschaften, wo sich Mozart und Schiller tummelten. Seine glanzvollste Zeit erlebte es unter Kurfürst Carl Theodor - und seine letzte Phase als Residenz. Denn dem Herzogtum Bayern waren mittlerweile die Wittelsbacher ausgegangen. Und so trat nun eine Klausel des Vertrags von 1329 in Kraft, wonach in diesem Fall die rheinischen Wittelsbacher einspringen mussten. Carl Theodor hielt sich daran - wenn auch widerwillig. Und darum sind die bayerischen Wittelsbacher bis heute Pfälzer.

Drei Bundesländer beteiligt
Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Zwölf Namen für die neuen Ulmer Straßenbahnwagen

Die neuen Straßenbahnwagen der Linie 2 werden nach Männern und Frauen benannt, die mit Ulm in Verbindung stehen. So war es auch schon beim Combino. weiter lesen