Die Krimi-Primadonna geht fremd

Donna Leon hat morgen 70. Geburtstag - und wird Commissario Brunetti untreu. "Himmlische Juwelen" heißt ihr Roman, der natürlich in Venedig spielt.

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Die Schriftstellerin Donna Leon wird 70 Jahre alt und hat ein neues Buch geschrieben.

Sie schreibt seit 20 Jahren Krimis. Ihr Commissario Guido Brunetti ist mindestens ebenso populär wie seine Schöpferin Donna Leon - vor allem in Deutschland. Im Frühjahr hat sie den 20. Brunetti-Roman veröffentlicht. Morgen wird Donna Leon, die gebürtige Amerikanerin mit Wohnsitz Venedig, 70 Jahre alt und hat sich just zu diesem runden Geburtstag mit einem Roman beschenkt, der aus dem Rahmen fällt - mit einem Spannungsroman, der in Venedig spielt, aber ohne ihren Abonnement-Helden Brunetti.

Verantwortlich dafür ist ein anderer Weltstar: die Mezzosopranistin Cecilia Bartoli. Die ist nicht nur ein gefeierter Star auf den Bühnen der Welt, sie liebt es auch, vergessene Komponisten auszugraben - vorrangig des Barock. Und die Bartoli war es auch, die den heute nahezu unbekannten Komponisten Agostino Steffani (1654-1728) für sich entdeckte, mit dessen Werken ihr aktuelles Album "Mission" aufnahm.

"Als ich auf die wunderbare Musik eines längst vergessenen Komponisten stieß, der ein geheimnisumwittertes Leben führte, wusste ich sofort: Das ist ein Fall für Donna Leon", wird die Bartoli auf der Bauchbinde des neuen Leon-Romans zitiert. Kein Zufall: Denn neben ihrer Profession als Autorin ist Donna Leon auch eine Liebhaberin der Barock-Oper. Vor allem Georg Friedrich Händel hat es ihr angetan, ihre Lesereisen organisiert sie stets unter Berücksichtigung diverser Premierentermine.

Die Heldin in Donna Leons jüngstem Roman ist die Musikwissenschaftlerin Caterina Pellegrini. Sie sehnt sich nach ihrer Geburtsstadt und nimmt deshalb in Venedig einen reichlich vagen Auftrag an. Dort erwarten sie zwei alte Kisten - vermutlich der Nachlass Agostino Steffanis -, die jahrhundertelang in der Propaganda Fide, der Missionsabteilung des Vatikans, lagerten. Um sie streiten sich zwei dubiose Venezianer, die beide den Anspruch erheben, mit Steffani verwandt zu sein. Die Wissenschaftlerin soll überprüfen, ob sie in den Unterlagen einen Hinweis darauf findet, welchen Familienzweig Steffani als Erben eingesetzt hat.

Caterina Pellegrini beginnt zu lesen und wird durch die Dokumente in einen wahren Krimi des 18. Jahrhunderts verwickelt. Denn Steffani war nicht nur Komponist an den Höfen von München, Frankfurt und Düsseldorf, er war auch Abbé, Titularbischof von Spiga und mindestens als Diplomat, wenn nicht gar als Spion des Vatikans tätig.

Und die Wissenschaftlerin stößt auch auf die persönliche Tragödie eines Mannes, den der Kurfürst von Bayern als Zwölfjährigen "musico" mit an den Münchner Hof genommen hat. "Musico", das weiß Caterina Pellegrino, war die damalige Umschreibung für einen Kastraten.

Nach und nach recherchiert die Wissenschaftlerin das Leben Steffanis, entdeckt einen Meister, der Fürsten und Königinnen zu seinen Freunden zählte, teils unter Pseudonym arbeiten musste, weil es unter der Würde eines Bischofs war, so etwas Profanes wie Opern zu komponieren. Eine Entdeckungsreise.

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