Die Geierwally von Oberammergau

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Oben bei der Laberbergbahn erwartet einen ein großer Hockschnitzel-Stadl. Die eine Längsseite ist mit Bretten zu, so dass ein geschützter Zuschauerraum mit ansteigender Tribüne und ganz neuen, noch herrlich duftenden Holzbänken entstanden ist. Richtung Berg findet sich ein übergroßer Container, der mit einer Art beweglichem Duschvorhang komplett umrandet ist. Das ist mitsamt dem Dach und dem Weg davor die Bühne für eine neue Oberammergauer Produktion unter der Regie von Abdullah Kenan Karaca, neben Christian Stückl dem zweiten Spielleiter der Passion 2020.

Die freie Adaption des Romans „Die Geierwally“ bietet den versierten älteren Spielern und den Jungen viel Gelegenheit sich auszutoben, denn der Regisseur vermengt mehr oder weniger geschickt den salopp-schnoddrigen Ton von heute mit der eher hohen Sprache des späten 19. Jahrhunderts. Vieles erinnert auch szenisch an „Katzelmacher“ und „Jagdszenen aus Niederbayern“. Stereotypen in knallig einfarbigen Kostümen stellen die Dorfgemeinschaft in ihrer Enge und Spießigkeit dar, immer wieder trefflich kommentiert von der Kofelgschroas Blasmusik.

Die eigenwillige und starke Wally in schwarzweißer Schul­uniform fällt da in jeder Hinsicht raus. Auch der geliebte Bärenjosef trägt diese Farben. Entgegen der Romanvorlage von Wilhelme von Hillern, die in Oberammergau lebte und begraben ist, wird anstatt des Happyends der Josef vom Nebenbuhler erschossen. Aber das ist nur eine von vielen ungeklärten Fragen, die bei dieser sehenswerten Mischung aus Bühnentrash und Bauern­theater eher unbeantwortet bleiben.

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