Die drei Leben des Armin Mueller-Stahl

Armin Mueller-Stahl machte als Schauspieler Karriere, aber er ist auch Konzertgeiger, Maler, Dichter und Songschreiber. Am Donnerstag wird er 85 Jahre alt.

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Wird am Donnerstag 85: Armin Mueller-Stahl.  Foto: 

In der DDR war Armin Mueller-Stahl ein Publikumsliebling, in der Bundesrepublik wurde er als großer Schauspieler gefeiert, Hollywood machte ihn schließlich zum Star. Es ist eine der ungewöhnlichsten Schauspielerkarrieren nach 1945. Am Donnerstag wird Armin Mueller-Stahl 85 Jahre alt.

Geboren am 17. Dezember 1930 in Tilsit, dem heutigen russischen Sowetsk, aufgewachsen in Königsberg, kam er in die DDR und machte zuerst eine Ausbildung zum Konzertgeiger und Musiklehrer. Doch die Neigung zum Theater setzte sich durch, er begann ein Schauspielstudium und stand 1952 im Berliner Ensemble erstmals auf der Bühne.

Bis zu seiner Übersiedelung 1980 nach Westberlin - er hatte 1976 gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann protestiert und wurde daraufhin kaltgestellt - war er der meistbeschäftigte und populärste Film- und Fernsehschauspieler der DDR. Sein Repertoire reichte von ernsten Rollen bis zum Musik-Clown.

Als er in die Bundesrepublik kam, war er durch Anti-Nazi-Filme wie "Nackt unter Wölfen" (1963) oder "Jakob der Lügner" (1975) im Westen schon bekannt. Die ersten Rollen in Westdeutschland waren ihm geradezu auf den Leib geschrieben: Männer, die in eine fremde Gesellschaft kommen und ihre Unsicherheit hinter einer Folie von Melancholie verbergen.

Mueller-Stahl spielte auch in internationalen Großproduktionen von Istvan Szabo ("Oberst Redl") oder Bernhard Wicki ("Das Spinnennetz"). So war es fast folgerichtig, dass ihn Ende der 80er Jahre ein Angebot nach Hollywood rief, wo er etwa in Costa-Gavras' "Music Box" (1989) oder in Jim Jarmuschs "Night on Earth" (1991) spielte. In den vergangenen Jahren ist die Schauspielerei etwas zurückgetreten gegenüber seinen anderen künstlerischen Interessen. Er zeichnet und malt, stellt aktuell auch aus. "Die Malerei macht mich frei", sagte er einmal in einem Interview. Und er schreibt Erzählungen, Romane und Tagebücher wie "Drehtage", entstanden während der Arbeit an "Music Box" und "Avalon" in Hollywood.

Noch eine Seite Mueller-Stahls: Das Album "Es gibt Tage. . .". Es enthielt Songs, die er in der DDR geschrieben und auch vorgetragen hatte, poetische, skurrile und satirische Lieder. Er sang sie nun Jahrzehnte später noch immer mit spürbarem Vergnügen - ein Abschiedsgruß an die DDR.

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