Die Berliner wählen im Mai Rattles Nachfolger

Seit mehr als zwölf Jahren steht Sir Simon Rattle an der Spitze der Berliner Philharmoniker. Am 11. Mai wird sein Nachfolger gewählt.

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2018 verabschiedet er sich von den Berliner Philharmonikern: Sir Simon Rattle.  Foto: 

Es ist fast so spannend wie die Wahl des Papstes: Am 11. Mai wählen die weltberühmten Berliner Philharmoniker unter größter Geheimhaltung einen neuen Chefdirigenten. Über die Nachfolge von Sir Simon Rattle (60) können die 124 festangestellten Musiker völlig autonom entscheiden.

"Das dürfte weltweit einmalig sein", sagte Orchestervorstand Peter Riegelbauer, der gestern gemeinsam mit seinem gleichberechtigten Vorstandskollegen Ulrich Knörzer das Wahlverfahren vorstellte. Das Amt als Chefdirigent und künstlerischer Leiter der Philharmoniker gilt als eines der begehrtesten in der Welt der klassischen Musik.

"Momentan ist jeder lebende Dirigent weltweit wählbar", sagte Riegelbauer. Erst in der Orchesterversammlung am 11. Mai wird aus den Vorschlägen der Mitglieder eine Shortlist erstellt, die dann Grundlage für die Wahl ist. "Wir wissen selbst alle nicht, wie wir ticken", sagte Knörzer.

Rattle, der seit 2002 an der Spitze des Orchesters steht, hatte vor zwei Jahren angekündigt, seinen Vertrag nicht über Mitte 2018 hinaus zu verlängern. Seither überschlagen sich die Spekulationen. Im Gespräch sind große Namen: etwa Christian Thielemann (55), seit 2012 Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden und zudem künstlerischer Leiter der Salzburger Osterfestspiele; oder Daniel Barenboim (72), Generalmusikdirektor der Lindenoper in Berlin, Chefdirigent der Staatskapelle Berlin und politisch engagiert mit dem Orchester des West-östlichen Divans. Auch Gustavo Dudamel (34) und Andris Nelsons (36) werden hoch gehandelt.

Bei den Philharmonikern ist laut Riegelbauer Diskretion oberstes Gebot. "Wenn zu viele Namen vorher gehandelt und zerredet werden, beschädigt man unter Umständen auch Freunde - Gastdirigenten, die wir auch in Zukunft mit guter Laune am Pult sehen wollen." Deshalb setzt der Vorstand auch darauf, dass aus der entscheidenden Sitzung am 11. Mai nicht getwittert oder gesimst wird: "Das gehört zur philharmonischen Ehre."

Selbst mögliche Kandidaten werden vorher nicht befragt, ob sie das Amt annehmen würden. Erst nach der Wahl soll der Glückliche aus der Versammlung heraus per Telefon informiert werden. Sollte er wider Erwarten nicht annehmen, müssten die Musiker über das weitere Vorgehen beraten. "Wir haben da einfach Zuversicht auch aus der Erfahrung heraus", sagt Riegelbauer. "Das wird schon gutgehen."

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