Der neue Star-Wars-Film: Die Hoffnung und ihr Preis

Im Star-Wars-Kosmos wird Neues gewagt: „Rogue One“ ist kein Märchen, sondern ein Kriegsfilm. Ein ziemlich mitreißender. Achtung: Diese Kritik enthält keine Spoiler!

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Zwei Helden der anderen Art: Felicity Jones als Jyn Erso und K-2SO. Foto: Lucasfilm/Disney  Foto: 

Das „Lucasfilm“-Logo: wie gehabt. Das Motto: „Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis . . .“: wie gehabt. Doch dann erklingt nicht John Williams‘ berühmtes Fanfaren-Thema, sondern ein kurzes orchestrales Forte, und schon geht es mitten rein in die düstere Geschichte. Vom typischen Lauftext keine Spur.

„Rogue One“, der am Donnerstag in die Kinos kommt, macht von Anfang an klar: Ja, ich bin ein Star-Wars-Film – aber nein, ich gehöre nicht zu den üblichen Episoden ums Wohl und Wehe der Familie Skywalker.

Gareth Edwards‘ Streifen ist die erste „Star Wars Story“. Eine Film-Reihe, in der Lucasfilm und Disney separate, in sich abgeschlossene Stories erzählen, die aber im gleichen Universum spielen und mit den bekannten Episoden zumindest verknüpft sind.

Im ersten „Star Wars“-Film von 1977 wurde erzählt, wie die Rebellen den Todesstern des finsteren Imperiums zerstören. Wie sind sie an die geheimen Baupläne dieser Superwaffe gekommen? Das schildert „Rogue One“.

Im Mittelpunkt steht Jyn Erso (Felicity Jones), deren verschollener  Vater Galen (Mads Mikkelsen) am Bau des Todessterns beteiligt war. Als die Allianz eine rätselhafte Nachricht des Wissenschaftlers erhält, wird Jyn in die Rebellion hineingezogen. Zusammen mit Cassian (Diego Luna), einem Agenten der Allianz, macht sie sich auf die Suche nach ihrem Vater, der den Todesstern mit einer Schwachstelle versehen hat.

Jyn ist eine aufsässige junge Frau, der es nur ums Überleben geht und die erst lernt, an größere Werte zu glauben. Cassian ist ein Spion, der auch über Leichen geht, wenn es sein muss – und das muss es im Widerstand. Die beiden kreuzen die Wege des übergelaufenen Piloten Bodhi Rock (Riz Ahmed), des Mönchs Chirrut Imwe (Donie Yen) und des Kriegers Baze Malbus (Jiang Wen). So kommt ein verwegenes Häufchen zusammen, das unter dem Decknamen Rogue One schließlich versucht, die Pläne zu erbeuten.

Bösewichter gibt es selbstverständlich auch, etwa Orson Krennic (Ben Mendelssohn), Direktor der imperialen Waffenentwicklung. Dass Darth Vader seinen Auftritt hat, war schon aus den Trailern bekannt, aber die Fans werden weitere bekannte Gesichter wiedersehen: Überraschung!

Roboter-Herz auf der Zunge?

Und dann ist da noch K-2SO (Alan Tudyk), ein von Cassian umprogrammierter imperialer Droide, der sein Herz auf der Zunge trägt – auch wenn er weder Herz noch Zunge hat. Er dürfte ein Publikumsliebling werden, weil er dringend benötigten Humor in die Story bringt.

Der Film hat den Balanceakt zu bewältigen, narrativ und ästhetisch in den etablierten Erzählkosmos zu passen, aber doch Eigenes zu bieten. „Rogue One“ gelingt das. Denn obwohl schon der legendäre erste Film das Wort „Krieg“ im Namen trug, obwohl schon immer viel gekämpft, gelitten und auch gestorben wurde, waren die „Star Wars“-Filme bislang letztlich Märchen, oder genauer: Science Fantasy. „Rogue One“ aber gehört zu einem anderen Genre: Er ist ein Kriegsfilm, düster, intensiv, stellenweise sogar heftig. Man könnte sagen:  „Das dreckige Dutzend“ im Weltall, auch wenn es nur um ein halbes Dutzend geht. Manche Terror-Szenen sind näher an unserer irdischen Realität, als man es von einem solchen eigentlich eskapistischen Film erwartet.

Und dennoch: Eigentlich müsste dieser Film „Eine neue Hoffnung“ heißen – aber diesen Untertitel trägt ja schon das Original von 1977. Denn tatsächlich geht es in „Rogue One“ vor allem um die Hoffnung. Und um die Opfer, die manche dafür bringen.

Der 200 Millionen Dollar teure Streifen hatte eine mehr als holprige Produktionsgeschichte. Laut „makingstarwars.net“ und anderen gut informierten Quellen wurde das Drehbuch mehrfach umgeschrieben, nach Ende der offiziellen Aufnahmen wurde ein Drittel des Films neu gedreht, wobei Regisseur Edwards mit Tony Gilroy einen Supervisor an die Seite gestellt bekam. Doch all das merkt man dem fertigen Werk nicht sonderlich an.

Sternenzerstörer und X-Wing-
Fighter, Sturmtruppen und imperiale Geher: „Rogue One“ sieht von vorn bis hinten aus wie „Star Wars“, der „used look“ des Universums ist perfekt getroffen. Die Schauspieler haben nicht viele Gelegenheiten zu glänzen, aber gut gecastet ist der Film in seiner Multikulti-Vielfalt durchaus.

Dazu wimmelt es von originellen Aliens und Kreaturen, und die zahlreichen Schauplätze besitzen ihre Reize.  Yavin 4 mit dem Rebellenstückpunkt kennt man, neu sind etwa der wüste Mond Jedha mit seiner heiligen Stadt und der tropische Planet Scarif mit der imperialen Hochsicherheits-Basis unter Palmen. „Star-Wars“-Fans werden sich zuhause fühlen.

„Rogue One“ ist der erste Star-Wars-Film, für den John Williams nicht die Musik komponiert hat. Ursprünglich war Alexandre Desplat dafür verpflichtet worden, doch dann wurde Michael Giacchino damit vertraut – für die Fans noch so eine irritierende Nachricht aus der Postproduktion.
Giacchino hatte nurmehr viereinhalb Wochen für den Soundtrack, aber vor allem in den martialischen Passagen macht er seine Sache gut. Und natürlich zitiert er die berühmten Themen der Saga. Die Musik zu „Episode 8“ schreibt Altmeister John Williams (84) dann wieder selbst.

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