Der Dichter und das LSD

Dokumente einer Erfahrung: der Briefwechsel zwischen dem LSD-Vater Albert Hofmann und dem Dichter Ernst Jünger im Literaturmuseum Marbach.

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Alte Freunde: Albert Hofmann (links) und Ernst Jünger. Foto: DLA-Marbach

"Herzlichen Dank für den Kartengruss aus Ulm", schreibt Albert Hofmann am 20.11.1956 an Ernst Jünger. Über das Münster auf der Postkarte verliert er kein Wort. Schließlich will sein Dichter-Freund über etwas anderes informiert werden - Hofmanns Forschungen zu LSD.

Da haben sich zwei gefunden: Der Schweizer Chemiker Albert Hofmann, Entdecker der halluzinogenen Droge LSD, und Ernst Jünger, Soldat, Schriftsteller, umstritten bis heute. Die Ausstellung "LSD. Der Briefwechsel zwischen Albert Hofmann und Ernst Jünger" im Literaturmuseum der Moderne Einblicke in die außergewöhnliche Korrespondenz. Etwa zehn Jahre nachdem Albert Hofmann erstmals LSD synthetisiert hat, kommt es 1947 zum Kontakt mit dem bewunderten Dichter. Hofmann schickt Jünger einen Honigtopf aus der Schweiz ins darbende Nachkriegsdeutschland - eine Anspielung auf dessen Roman "Auf den Marmorklippen". Der Honig darf zwar nicht ausgeführt werden, doch es entwickelt sich ein Briefwechsel, der ein halbes Jahrhundert andauern sollte.

Mit Berichten über seine Wunderdroge zieht Hofmann den Apothekersohn Jünger, der von Jugend an mit Rauschmitteln experimentiert, in seinen Bann. "Das Ich entwischt, die Zeit steht still", schreibt Hofmann. Jünger, der die "Lichtung des Seins" sucht, ist begeistert. Mehr als 500 Briefe und Postkarten gehen von nun an hin und her. Hofmann sendet Forschungsberichte, Jünger Manuskripte. Man hält einander auf dem Laufenden, was Aldous Huxley und Timothy Leary mit LSD so vorhaben. Gemeinsame Reisen führen nach Kreta, Ceylon - und in die Welt des Unbewussten. In letztere bevorzugt mit Bademänteln, begleitet von Mozart und Schnittchen.

Zweimal begeben sich die beiden zusammen mit LSD auf "innere Reise". Erst beim zweiten Trip 1970 offenbart sich die Substanz dem damals 75-jährigen Autor: "Es war heiter in transzendentalem Blau." Die erste Einnahme 1951 hatte Jünger enttäuscht. Der Stoff sei nichts im Vergleich zum "Tiger Meskalin". Der Literat ist auf Sicherheit bedacht, die Dosierung gering.

Die Ausstellung zeigt eine Auswahl des Briefwechsels, zusammengestellt aus Jüngers Nachlass und dem von Hofmann, den das Literaturarchiv 2012 erworben hat: 40 Briefe, 153 Postkarten, Fotos liegen in Vitrinen, zudem Geschenke wie chinesische Glückspilze. Dazu werden die Manuskripte von Büchern gezeigt, in die Jüngers Drogenerfahrungen eingeflossen sind. Auch ein visuelles Erlebnis, wenn er Blüten halluzinogener Pflanzen einklebt.

"Die Trips sind auf eine ästhetische, fast mystische Erfahrung angelegt. Das LSD dient einem schamanenhaften Lebensentwurf, mit dem Autor als Seher", sagt Kuratorin Heike Gfrereis. Jünger integriert das Rauscherlebnis in sein Werk. Den LSD-Konsum in der Hippiebewegung betrachten die älteren Herren ablehnend. Ihre Exklusivdroge verkomme zum Glücksstimulator, befürchten sie und warnen: "Das Nichts ist eine gefährliche Sache".

Info Die Schau läuft bis 20. Oktober im Literaturmuseum der Moderne in Marbach. www.dla-marbach.de

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