Der Berg ruft

Er war der Stammsitz der Staufer, die wichtige deutsche Kaiser hervorgebracht haben. Später missbrauchten ihn die Nazis für ihre Ideologie. Jetzt macht ein Audioguide den Berg Hohenstaufen zum Hörerlebnis.

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  • Ein Modell der Burg Hohenstaufen, ausgestellt im Dokumentationszentrum für Staufische Geschichte am Fuß des Berges. Foto: Privat 1/2
    Ein Modell der Burg Hohenstaufen, ausgestellt im Dokumentationszentrum für Staufische Geschichte am Fuß des Berges. Foto: Privat
  • Von der Burg Hohenstaufen sind heute nur noch die restaurierten Fundamente übrig. Foto: Kerstin Schellhorn 2/2
    Von der Burg Hohenstaufen sind heute nur noch die restaurierten Fundamente übrig. Foto: Kerstin Schellhorn
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Wie ein umgestülpter Trinkbecher liegt der Berg Hohenstaufen in der Landschaft des schwäbischen Filstals, sehr rund und sehr symmetrisch. Die unverwechselbare Form ist auch aus großer Distanz noch zu erkennen. Vermutlich kommt daher sein Name, denn "stauf" bedeutete im Mittelalter tatsächlich "Trinkbecher".

Das erfährt der Besucher über diesen historischen Ort der Deutschen vom neuen Audioguide, den das Göppinger Marketingbüro Saltico entwickelte. "Als die Stadt vor drei Jahren beschlossen hat, die Berggaststätte zu sanieren, habe ich mir gedacht, dass das Ganze doch ein Konzept braucht", sagt dessen Geschäftsführer Andreas Schweickert. Löblich, doch die touristische Erschließung betreffend ist der "Göppinger Hausberg", wie ihn die Einheimischen nennen, kein einfacher Fall: Von der ehemals stolzen Burg ist kaum etwas übrig, der Berg kann nur zu Fuß erreicht werden, und die Parkplätze an seinem Fuß sind rar.

In den Wirren des Bauernkriegs 1525 war die Burg angezündet worden und bis auf ihre Grundmauern niedergebrannt. Rund 200 Jahre später wollte Herzog Karl Friedrich von Württemberg eine Festung auf dem Bergplateau errichten und ebnete die Fläche ein. Er starb jedoch kurze Zeit später und die Pläne wurden nie verwirklicht. "In den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts hat man die Fundamente wieder ausgegraben und sie nach dem Zweiten Weltkrieg in den 60ern so hergerichtet, wie sie heute dastehen", erklärt Andreas Schweickert. Um den Berg und seine Geschichte trotzdem erlebbar zu machen, kam er auf die Idee, einen Audioguide zusammenzustellen. "Das, was man nicht mehr sieht, soll als Bild im Kopf entstehen."

Schweickerts Konzept zum Berg lautet "Hochkommen zum Runterkommen", und getreu diesem Motto ist der Audioguide nicht für die Massen gedacht, sondern für einzelne Personen, die sich Zeit für ein Stück deutscher Geschichte nehmen wollen. Mit einem achtköpfigen Team aus ortskundigen Schulrektoren, Schriftstellern und Journalisten hat Schweickert fünf Stunden Material zusammengestellt, das in acht Themenbereiche gegliedert ist. Zu jedem Bereich gibt es eine Reihe informativer Sachtexte zu hören, aufgelockert von Musikstücken, Sagen und Gedichten.

So wird beispielsweise von Friedrich I. erzählt, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und besser bekannt als Barbarossa. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts geboren, verbrachte er vermutlich einen Teil seiner Kindheit auf der Burg Hohenstaufen. "Immer wieder versuchte er, seine Ansprüche auf das Römische Reich geltend zu machen", heißt es im Audioguide. Zahlreiche Feldzüge führten ihn deshalb nach Italien, wo er wegen seiner roten Haare den Beinamen "barba rossa", zu Deutsch "Rotbart", erhielt. Bekannt wurde der Kaiser vor allem durch die Kyffhäusersage, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu einer Art nationalem Mythos wurde. Die politischen Kräfte bemühten sich zu jener Zeit um einen einheitlichen deutschen Staat, und da schien ein mittelalterlicher Kaiser, der im Kyffhäuser in Thüringen so lange ruhen wollte bis das deutsche Reich wieder errichtet werden würde, das ideale Symbol zu sein. Friedrich Rückerts Gedicht "Barbarossa" aus dem Jahr 1817 trug zusätzlich zur Popularität der Sage bei und wird auf dem Audioguide vom Bad Boller Künstler Klaus Heider gelesen.

Angesichts dieser nationalen Verklärung Barbarossas verwundert es kaum, dass die Nationalsozialisten im Zeiten Weltkrieg auf den Zug aufsprangen und eine SS-Panzerdivision nach dem Kaiser benannten. Der Audioguide berichtet außerdem: "Den Decknamen ,Unternehmen Barbarossa für den Überfall auf die Sowjetunion 1941 wählte Hitler sogar persönlich aus."

Der Hohenstaufen ist aber nicht nur Ort der deutschen Geschichte, sondern erzählt als so genannter Zeugenberg, der der Schwäbischen Alb vorgelagert ist, auch ein Stück Naturgeschichte: Vor rund 145 Millionen Jahren war die Gegend um den Berg vom Jurameer bedeckt. Laut Audioguide herrschte ein paradiesisches Klima mit Korallenriffen und Palmen. Und im 19. Jahrhundert fand dank König Wilhelm I. von Württemberg sogar ein nordamerikanischer Mammutbaum den Weg auf das schwäbische Bergplateau.

Ausleihe in der Berggaststätte "Himmel & Erde"
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