Das Weihnachtslied aller Weihnachtslieder: "Stille Nacht, heilige Nacht"

Die christliche Menschheit - und nicht nur sie - singt am Heiligen Abend vor allem "Stille Nacht, heilige Nacht". Von der Friedensbotschaft eines Weihnachtsliedes aus dem Jahre 1818.

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  • Der am Bodensee aufgewachsene Maler Frank Walka hat das Weihnachtslieder-Buch des Carus-Verlags illustriert. Foto: Carus-Verlag 1/2
    Der am Bodensee aufgewachsene Maler Frank Walka hat das Weihnachtslieder-Buch des Carus-Verlags illustriert. Foto: Carus-Verlag
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Hunger leidende Dorfbewohner, ein brutaler Arbeitgeber, eine hochschwangere junge Frau namens Maria, Liebesdramen und Machtkämpfe auf Leben und Tod. Und ein Hilfspfarrer namens Joseph Mohr, der auf der Suche nach einem in die Berge geflüchteten vaterlosen Jungen in einer Kirche erschöpft zusammenbricht - und dem dort, gemeinsam mit dem Orgel spielenden Schulmeister Franz Xaver Gruber, ein Lied in den Sinn kommt, das sie in der Christmette vortragen werden: "Stille Nacht, heilige Nacht".

So stellt sich der Heimatfilm die Geschichte des weltweit bekanntesten, in mehr als 300 Sprachen und Dialekte übersetzten Weihnachtslieds vor. Wers glaubt . . . "Das ewige Lied" heißt dieser TV-Alpenwestern aus dem Jahre 1995 mit Tobias Moretti und Heio von Stetten. Romantisch glorifiziert wurde die Entstehung von "Stille Nacht" sehr oft, man weiß ja auch nicht wirklich viel darüber. Nach der Quellenlage lässt sich freilich sagen: Wohl schon 1816 verfasste der Hilfspfarrer Joseph Mohr (1792-1848) ein Gedicht, das Franz Xaver Gruber (1787-1863) auf dessen Bitte hin vertonte und das die beiden an Heiligabend des Jahres 1818 in der Kirche St. Nicola in Oberndorf bei Salzburg gemeinsam vortrugen.

Die "himmlische Ruh" in der heiligen Nacht und dann das Halleluja der Engel, die verkünden: "Christ, der Retter ist da!" Für eine solche Heilsbotschaft waren die Menschen in Zeiten großer Not besonders dankbar. So zuckerklebrig und kitschig "Stille Nacht" in unserem Jahrhundert auch zuweilen aus den Lautsprecher-Boxen dröhnt, dieses Lied führt die Christen direkt zu Weihnachten: zu einem Fest, das die Geburt Christi feiert, des Gottessohnes, der alles Leid auf sich nehmen wird.

Joseph Mohr hat nicht nur jene drei Strophen gedichtet, die in den Gesangbüchern zu finden sind, sondern sechs. Und in der vierten Strophe heißt es: "Stille Nacht, heilige Nacht / Wo sich heut alle Macht,/ Väterlicher Liebe ergoss. / Und als Bruder umschloss / Jesus die Völker die Welt . . ." Die besagten Völker hatten damals gerade erst auf den Schlachtfeldern Europas gestritten. Die verheerenden napoleonischen Kriege lagen hinter den Menschen, und sie spürten jetzt auch die politischen Auswirkungen: So gehörte die Gemeinde Oberndorf am rechten Ufer der Salzach noch bis 1816 zum bayerischen Laufen und wurde nach dem Wiener Kongress und dem Vertrag von München zu Oberösterreich geschlagen. Dass Jesus die Völker brüderlich umschließt: Dieses Weihnachtslied drückt eine große, real greifbare Friedenssehnsucht aus, nicht nur im Privaten.

Zu den Legenden von "Stille Nacht" gehört auch, dass an jenem Weihnachten 1818 in Sankt Nikola die Orgel kaputt gewesen sei, weshalb das Lied zu Gitarrenbegleitung gesungen wurde. Belegt ist jedenfalls, dass der Orgelbaumeister Karl Mauracher dieses Lied in Oberndorf kennenlernte, als er besagte Orgel reparierte, sich den Text und die Melodie aufschrieb und seinen musikalischen Fund zu Hause, im Zillertal, an eine lokale Sängergruppe weitergab. Die Handschuhmacher-Familie Straßner aber reiste durch die deutschen Lande und machte "Stille Nacht" auf Messen und Weihnachtsmärkten in Dresden, Köln und Leipzig bekannt. Von 1833 ist ein Erstdruck des Liedes erhalten, auf einem Flugblatt. Und dann wurde "Stille Nacht" ein Volkslied - was man schon daran erkennen kann, dass es gegen 19. Jahrhunderts in aller Welt gesungen wurde, aber keiner mehr musste, wer es gedichtet und komponiert hatte.

Das ist dem Volk aber auch egal. Es singt heute (textsicher in allen Strophen?) ein lamettaglänzendes Lied, in dem die Zeit trotz eines bewegten 6/8-Takts wunderbar still zu stehen scheint: "Sti-ille Naaacht, hei-lige Naaacht . . ." Und der holde Knabe im lockigen Haar? Dessen "himmlische Ruh", ja, sie ist ganz oben beim Herrn angesiedelt, in heiligen Regionen gewissermaßen: in unserem C-Dur-Notensatz des Weihnachtslieder-Buches beim hohen "f". Vor der Bescherung muss sich die Gemeinde an Weihnachten strecken - beim Singen.



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