Das Maifeld-Derby wird immer besser

Das Maifeld-Derby mit Altmeistern und Ambitionierten. Moderat, Metronomy oder Thurston Moore bieten Extraklasse.

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Einst musste man an den Niederrhein nach Haldern reisen, um derart viel Pop- und Rockqualität geballt geboten zu bekommen und das im überschaubaren Rahmen mit 15.000 Besuchern an drei Tagen. In Mannheim hat Timo Kumpf mit seinem Team in sieben Jahren ein Festival wachsen lassen, bei dem künstlerisch fast alles möglich ist, wenn nur die Qualität stimmt. Wer zum Beispiel am Festivalsamstag dachte, die Briten Metronomy seien mit ihrer exquisiten tanzwütigen Show nicht mehr zu toppen, der hatte Moderat unterschätzt. Die drei Berliner überwältigten mit einem Mix aus elektronischer Power und visuellen Eindrücken.

Auch Trentemøller hatte in der Nacht zuvor mit viel live gespielten Gitarrenriffs zum Elektronik-Sound noch einmal für starke Akzente setzen können, nachdem Bilderbuch  das Achtmaster-Zelt zur Kathedrale des wunderbaren österreichischen Größenwahns gemacht hatten. Mit zwei Gospel-Furien im Background peitschten die Herren ihren breitwandigen Pop mit griffigen Refrains heraus, als wenn der kleine Prince als Wiener wieder unter uns wäre.

Und man traute sich beim Derby was. Kate Tempest) zeigte live, dass sie genau das ist, was „Die Zeit“ über sie schrieb: „ein literarischer Meteorit“. Die Britin brachte das aktuelle Zeitgeschehen mit einem in den Sound-Teppich einer Band gehüllten Redeschwall auf den Punkt. Wow. Oder das Zusammentreffen von Amanda Palmer und Edward Ka-spel: Klavier und Violione, gesungene Emotionen im Umfeld zwischen Chanson und Cabaret, konzentrierte Stille im Hurrikan der Klänge. Ein künstlerischer Kontrapunkt, euphorisch gefeiert.

Alles möglich beim Derby

Und dann die Altmeister: Thurston Moore, einst Mastermind von Sonic Youth, mit großartigem neuem Album live megastark in der Hitzeschlacht auf der Open-Air-Bühne. Nicht weniger lebendig Primal Scream mit Bobby Gillespie am Mikrofon, der alle Rock-Klischees überlebt hat. Dazu die Rückkehrer Slowdive, die ihre Songs zwischen Gitarrenwände schoben und so neue Räume schufen, der einmal mehr überzeugende Elektronik-Soul- Magier Sohn und Bands wie Royal Canoe oder Why?, die mit komplexen Songs das Gegenteil von typischen Festival-Bands waren. Dazu jede Menge ambitionierte Singer/Songwriter und aufkommende Stars wie die australischen Boys von Parcels. Drei nachklingende Derby-Tage, die  man so schnell nicht vergessen wird.

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