Das himmlische Zeichen Gottes

Ein Medaillon ist der Beweis: Vor exakt 1700 Jahren vertraute Konstantin der Große bei einer Schlacht auf ein himmlisches Zeichen.

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Das Konstantinsmedaillon befindet sich in der Staatlichen Münzsammlung München. Foto: Nicolai Kästner

Jeder Rombesucher kennt den Konstantinsbogen, dieses 21 Meter hohe Monument. Das Konstantinsmedaillon wirkt dagegen bescheiden. Aber auch das Silberstück, das den Durchmesser einer simplen Zwei-Euro-Münze nicht übertrifft, ist von großer Aussagekraft. Nur drei Konstantinsmedaillons sind erhalten geblieben. Sie werden von Museen in St.Petersburg, Wien und München gehütet.

Als die Staatliche Münzsammlung in der Münchner Residenz um ihr Glanzstück herum die Ausstellung "Konstantin 312" eröffnete, hatte Kardinal Reinhard Marx Mühe, den entscheidenden Punkt auf dem Medaillon zu entdecken. Die Vorderseite zeigt Konstantin den Großen, er trägt einen Helm mit Federbusch, und an dessen Spitze ist eine winzige Scheibe mit dem Christogramm platziert. Das besteht aus der Kombination von X und von P, damit gemeint sind die griechischen Buchstaben Chi und Rho. Vorgeführt wird also der Anfang des Namens Christus, dem der Stellenwert eines magischen Siegeszeichens zukommt.

Mit dem Christogramm zog Konstantin anno 312 vor den Toren Roms in eine Schlacht, die ein Meilenstein auf dem Weg zur Alleinherrschaft wurde. Ohne den Sieg, wo er über den Konkurrenten Maxentius triumphierte, wäre Konstantin schwerlich zu Konstantin dem Großen geworden. Zugleich wurde 312 ein wichtiges Datum für den Siegeszug des Christentums, für die "Konstantinische Wende" hin zu einem neuen Glauben.

Das Silbermedaillon wurde drei Jahre nach der Schlacht geprägt, zeitgleich entstand in Rom der Konstantinsbogen. Es belegt, dass Kirchenvater Laktanz nicht nachträglich eine schöne und für den christlichen Glauben werbeträchtige Geschichte erfand, als er schrieb: Konstantin sei vor der Schlacht gegen Maxentius im Schlaf aufgefordert worden, "das himmlische Zeichen Gottes" auf die Schilde seiner Soldaten setzen zu lassen. Konstantin war ein abergläubischer Mann, allerdings waren antike Feldherren immer für Mut machende göttliche Vorzeichen empfänglich.

Damals bekannte sich ein Fünftel der Bevölkerung im römischen Reich zum Christentum. Zu Konstantins Beraterstab zählten neben den Priestern der alten Götter auch Kirchenmänner, denen es wohl gelang, am Morgen vor der Schlacht Konstantins Traum in ihrem Sinne zu deuten. Was nicht bedeutet, dass Konstantin über Nacht vom Saulus zum Paulus, also zum Christen, wurde. Für ihn blieb Christus wohl eine andere Erscheinungsform des sehr populären Gottes Sol.

Einen christlichen Lebenswandel kann diesem Mann, der über Leichen ging, auch später niemand nachsagen. Konstantin wurde erst kurz vor seinem Tod getauft, 337 in Konstantinopel. Wahrscheinlich hoffte er, dass die Taufe ein magischer Akt sei und ihn vor dem nahenden Tod retten werde. Er wurde in der Apostelkirche bestattet, umgeben von zwölf symmetrisch angeordneten Stelen, jede war mit dem Namen eines Jünger Jesu beschriftet. Wie wollte Konstantin letztlich selbst gesehen werden? Als 13.r Apostel? Oder gar als zweiter Christus? Darüber streiten die Gelehrten.

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