Bloc Party setzt in Stuttgart auf Gitarrenkraft

Drei Jahren war es es ruhig um die britischen Indie-Rocker Bloc Party. Jetzt sind sie zurück - und rockten das ausverkauften Stuttgarter Theaterhaus.

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Beschwingend, einschmeichelnd gurrt er das Zauberwort: "Stutt-Gart". Dann flötet, kokettiert er: "Stutt-Gart". Schließlich tönt er ironisch, schnippisch: "Stutt-Gart". Endlich euphorisch, jubelnd: "Stutt-Gart". Kele Okereke, Frontmann von Bloc Party, weiß genau, wo er auf der Bühne steht, nämlich im Stuttgarter Theaterhaus, und er weiß, wie das Spiel geht. Ein Fingerzeig, und 1650 Fans folgen klatschend, singend, tanzend - so sieht es aus, wenn ein Musiker den direkten Draht zum Publikum hat.

Bloc Party gehört zu den Bands, die den Musikkritikern ihre geliebten Schubladen zum Klemmen bringen. Sie zählen dann notgedrungen die halbe englische Rockgeschichte seit den 80er Jahren als Einflüsse auf: von The Smith und The Cure bis Radiohead und Franz Ferdinand. Erkenntnisgewinn: Null.

Es genügt also festzuhalten, dass Okereke & Co. schon viel Musik gehört haben und dann doch ihr Ding durchziehen. Dieses Ding war auf dem Debüt-Album 2005 noch alternativ-rockig und wurde auf der zweiten und dritten CD zusehends elektronischer. Nun, auf der vierten Scheibe "Four", dominieren wieder die elektrischen Gitarren, und zwar so hart wie noch nie.

Wenn Bloc Party 2012 auf der Bühne steht, vermengen sich all die Stileinflüsse ohnehin, doch kerniger Rocksound dominiert: Saitensturm zum Lichtgewitter. Gitarrist Russell Lissack, Bassist Gordon Moakes und Schlagzeuger Matt Tong machen Dampf, brettern und schrammeln oft richtig los, reißen mittels kühner Breakes aber auch immer wieder das Stimmungsruder rum.

Im Mittelpunkt der Show steht aber unbestritten Charmeur und Charismacker Okereke, der gesanglich eine tolle Bandbreite hat, inklusive intensiver Kopfstimme: Das ist ausdrucks- und auch sonst druckvoll. Und da Bloc Party meist kernig zur Sache geht, sind es die transparenten, warmen Momente, die umso wirkungsvoller sind. Vieles packt, manches berührt einen. Okereke zündelt, denn er ist "On Fire", und nicht nur die Hits wie "The Prayer" und "Flux" werden gefeiert.

"Super, wunderbar", dankt er den Fans. Nicht wunderbar aber: nur 70 Minuten Show samt Zugaben. Also, Stutt-Gart hat mehr Bloc Party verdient.

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