Bezwingend: Sophokles’ „Antigone“ in München

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Ungekrönte Königin des Abends am Resi war Elisabeth Trissenaar. Foto: Matthias Horn/dpa  Foto: 

Drei schwarze, mannshohe Holzkisten und zwei unfertige Heldenstatuen: Mehr braucht Hans Neuenfels nicht, um Sophokles’ „Antigone“ im Münchner Residenztheater auf die Bühne zu bringen. Der Altmeister schälte mit Hilfe seines ausgezeichneten Ensembles aus den Figuren das Innerste heraus. Radikal legte er deren Träume und Ängste offen, stellte ihre tragischen Schicksale vor jedweden Schnickschnack.

Es gibt keine Knall-Effekte an diesem leisen Theaterabend, manchmal ist einfach nur Stille, eine unangenehme, angespannte, den Hals zuschnürende. Neuenfels vertraut auf seine Schauspieler – mit einem Blick kann alles gesagt sein. Wie bei Antigone, die so ihre Schwester Ismene (eindringlich: Anna Graenzer) zum Schweigen bringt. König Kreon verbietet die Bestattung von Polyneikes, weil dieser gegen Theben Krieg geführt hat. Das will sich dessen Schwester Antigone nicht gefallen lassen. Für Neuenfels steht die Frage nach dem gültigen Gesetz – das des Staates oder das der Religion – nicht im Vordergrund. Ihm geht es um das Menschliche: Was veranlasst jemanden, einen Verstorbenen zu beerdigen und den eigenen Tod zu riskieren?

Neuenfels zeigt Antigone als eine starke Frau, die niemals von ihrer Überzeugung ablässt. So brüllt, zetert und faucht Valery Tscheplanowa als Antigone, bis nur noch ein zittriges Krächzen übrig ist. Ihr Gegenspieler ist da anders gestrickt. König Kreon sollte hart und kompromisslos sein. Doch Norman Hacker gibt Kreon als zerrissenen Mann, der seinen Irrtum viel zu spät erkennt. Ungekrönte Königin des Abends ist Elisabeth Trissenaar. Neuenfels hatte Ernst Buschors „Antigone“-Übersetzung bearbeitet und für seine Ehefrau den Chor der Ältesten auf eine Person schrumpfen lassen. Trissenaar  ist als Frau aus Theben extrem nahbar. Sie treibt an, schreit erschrocken auf und spielt auch mal das Mütterchen. Fortwährend nimmt sie eine Vermittlerrolle ein und ist so scheinbar die einzige Stimme der Vernunft. dpa

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