Auf Ohrenhöhe: Die Lieder des Wilhelm Killmayer

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Einen Tag vor seinem 90. Geburtstag, am 20. August, verstarb der aus München stammende Komponist Wilhelm Killmayer. Dass der große Außenseiter der Neuen Musik zu den besten deutschen Tonsetzern seiner Generation gehörte, macht die jetzt beim Label Wergo erschienene CD deutlich. Zu hören sind die neun „Eichendorff-Lieder“, eine Auswahl seiner „Hölderlin-Lieder nach Gedichten aus der Spätzeit“ sowie der Zyklus „Trakl-Lieder I“ und „Schweigen und Kindheit – Sechs Lieder nach Gedichten von Georg Trakl“. Markus Schäfer (Tenor) und Siegfried Mauser (Klavier), ein Freund des Komponisten, tauchen diese tonal empfundene, aufregende Neue Musik in faszinierendes Licht. Killmayers Lieder bewegen sich auf „Ohrenhöhe“ mit denen eines Schubert oder Brahms und werden großartig interpretiert.

Herr Schäfer, was zeichnet Killmayers Musik aus?

Seine Musik drückt sehr viel fast naive Lebensfreude aus, oftmals in Verbindung mit einer stark rhythmisch-motorischen Komponente. Das trifft auch auf die Lieder zu, die immer stark am Text orientiert sind. Durch das Weglassen allen Ballasts und eine radikale Reduktion auf ein absolutes Minimum – ein skelettiertes musikalisches Rahmengerüst – sind die Interpreten maximal gefordert. Der Sänger ist dabei ungemein exponiert, kann sich nirgends anlehnen; die Begleitung ist oftmals auf reine Interpunktion zurückgefahren.

Killmayers Eichendorff-Lieder entfalten einen besonderen Zauber.

Einige der Eichendorff-Lieder entstammen seinem Nachlass und verkörpern also Killmayers Spätstil, wenn man so will. Auch ich finde sie sehr gelungen; das mag damit zusammenhängen, dass hier eine besondere Symbiose der Musiksprache mit der romantischen Vorlage erreicht wird. Ich bin selbst begeistert, wie sich ganz in die Natur versenkte, bildhafte und naiv verklärte Diatonik plötzlich gleichsam umpolt und Abgründe der menschlichen Seele gespiegelt werden.

Was zeichnet demgegenüber die Hölderlin- und Trakl-Lieder aus?

Die Sprunghaftigkeit, das Nebeneinander von isolierten Gedankenfetzen ist in den Hölderlin-Liedern eins zu eins in Musik abgebildet. Bemerkenswert finde ich die immer wieder neue kraftvolle musikalische Naturbeschreibung von an sich wiederholenden Themen wie etwa der wiederkehrenden  Jahreszeiten. Bei Trakl dagegen herrscht ein fast psychotischer Ton vor, Ängste und symbolbefrachtete Andeutungen drücken sich in beklemmenden Dissonanzen aus – ein Psychogramm in Musik!

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