Auf der Suche nach dem neuen Nordischen

Eine neue "nordische Identität"? Das Kunstmuseum Louisiana will diese auch in der Architektur gefunden haben und führt Prachtbeispiele vor.

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Die Oper in Oslo: Beispiel für neue nordische Architektur, wie sie das Louisiana-Museum vorstellt. Foto: dpa

"New Nordic" klingt moderner, auch unverfänglicher als "Ny Nordisk". So ungefähr dürften die Verantwortlichen des dänischen Louisiana-Museums bei der Namensgebung in Englisch für ihre große neue Architekturausstellung (bis 21. Oktober) gedacht haben. Aber dass es eine "neue nordische Identität" gibt, wollen sie umso nachdrücklicher mit aufwändig präsentierten Prachtbeispielen von Bauten der letzten zehn Jahre aus Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden vorführen.

Oslos international gerühmte neue Oper mit dem für jedermann begehbaren Dach wird als Beleg für die "Rückeroberung des Stadtraumes" durch skandinavische Architekten vorgeführt, das schicke Ferienhaus eines wohlhabenden Isländers bei Skagafjördur als Beispiel für die "poetische Integration" nordischer Bauwerke in die nordische Landschaft. Und eine wunderbare neue Bücherei im armen Kopenhagener Nordwesten mit vielen Zuwanderern als Beweis dafür, dass Architekten im Norden die klassischen sozialdemokratischen Wohlfahrtstraditionen intelligent in die Moderne geführt haben.

Vor dem hinter jeder Ecke lauernden Nationalismus müsse man sich schon in Acht nehmen, wurde Louisiana-Chef Poul Erik Tøjner in dänischen Medien zitiert. Jeder wusste, was gemeint war: Tøjners eigenes Land hat sich genau in dem Jahrzehnt von 2000 bis 2010, das hier abgehandelt wird, durch eine immer aggressivere, betont kalte Ausländerpolitik hervorgetan, die so gar nicht zum freundlichen Skandinavien-Bild gerade auch in Deutschland passen wollte. Während die Norweger mit ihrer atemberaubend unaggressiven, warmen Reaktion auf die Terroranschläge in Oslo und auf Utøya einen komplett anderen Weg gegangen sind.

Bei den Dänen ist die Suche nach einer "neuen nordischen Identität" mehr und mehr angesagt. Zum Beispiel beim Kochen mit "rein nordischen Zutaten", wie es gern auch von TV-Köchen vorgeführt wird. Nun also auch "New Nordic" in der Architektur: Der Zustrom zur Ausstellung ist enorm und dürfte die Louisiana-Kassen klingeln lassen.

Den Besuchern wird keine finstere, rückwärtsgewandte oder gar ausländerfeindliche "Identität" über das Spiegelbild Architektur vermittelt: Selbstironisch definieren Künstler wie der Däne Henrik Vibskov den "nordischen Mann" als einen, der gern strickt. Aber besonders schön ist es im Norden wohl eben doch, wie eine riesige Video-Endlosschleife mit wundervollen, ganz und gar nicht ironisch gemeinten Luftaufnahmen zeigen will.

Dabei führt die Ausstellung ein Stockwerk tiefer beim Thema "Rückeroberung des öffentlichen Stadtraumes" selbst nachdrücklich vor, dass es all die so aufwändig vorgeführten positiven Trends der nordischen Architektur genauso auch anderswo auf der Welt gibt: So wie das Architektenbüro Snøhetta den Osloern mit der genialen Idee für die von außen begehbare Oper einen neuen gemeinsamen Platz gegeben hat, so haben "Gehl Architects" das auch mit "Café-statt-Auto"-Projekten in Manhattan, Melbourne und Brighton geschafft. Jeder kennt hoffentlich ähnliche Beispiele aus der eigenen Großstadt. Aber "Gehl Architects" haben ihr Büro eben in Kopenhagen: "New Nordic".

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