"Schlaf ist nicht wichtig"

Er hat selbst etwas von einem Hobbit: Der Regisseur und dreifache Oscar-Preisträger Peter Jackson kommt barfuß zum Interview. Morgen läuft sein zweiter "Hobbit"-Film in den Kinos an: "Smaugs Einöde".

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  • Abenteuerliche "Hobbit"-Dreharbeiten in Neuseeland: Peter Jackson gibt den Zwergen-Darstellern Anweisungen. Foto: James Fisher/Warner 1/2
    Abenteuerliche "Hobbit"-Dreharbeiten in Neuseeland: Peter Jackson gibt den Zwergen-Darstellern Anweisungen. Foto: James Fisher/Warner
  • Held wider Willen: Martin Freeman als Hobbit Bilbo. Foto: Mark Pokorny/Warner 2/2
    Held wider Willen: Martin Freeman als Hobbit Bilbo. Foto: Mark Pokorny/Warner
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Nach mehr als einem Jahr Dreharbeiten und einem weiteren der Nachbearbeitung sind Sie erschöpft, oder?
PETER JACKSON: Ich bin eigentlich immer müde. Ich bin schon mehrere Jahre lang müde, aber Schlaf ist nicht wichtig. Ich kenne kein anderes Leben und bin es so gewohnt. Trotzdem bin ich sehr erleichtert, dass die beiden Filme jetzt fertig gestellt sind. Es war eine lange Zeit bis dahin. Ich denke, es wird schön sein, den dritten Film zu bearbeiten.

Macht es wirklich noch Spaß?
JACKSON: Es macht wirklich Spaß. Ich wollte Filme drehen, seit ich acht Jahre alt war. Ich habe Filme mit einer Super-Acht-Kamera gedreht, als ich noch ein Kind war, und ich wollte leidenschaftlich und verzweifelt Regisseur werden. Ich drehte Monsterfilme im eigenen Garten! Ich liebe Fantasy-Filme, die Special Effects von Ray Harryhausen und King Kong. In all diese Dinge habe ich mich als Kind verliebt. Dann bin ich Regisseur geworden, und jetzt drehe ich. Ich sehe mich als eine der sehr wenigen glücklichen Personen an, die exakt das machen, was sie tun möchten. Wenn man Filme macht, ist man automatisch müde, das ist normal. Filme sind ermüdend, stressig, und problematisch. Trotzdem machen sie Spaß. Wenn nicht, würde ich andere Dinge tun. Ich möchte es tun, weil ich es genieße.

Haben Sie geahnt, welches Ausmaß die Filmreihe annehmen würde?
JACKSON: Die Filme sind größer, umfangreicher und gewaltiger geworden, als wir es geplant hatten. Es war eine brutal harte, aber auch eine aufregende Arbeit. Wenn ich am Anfang gewusst hätte, was mich erwartet, dann hätte ich es wohl mit der Angst gekriegt.

Letztlich geht es um ein Kinderbuch.
JACKSON: Ja, aber es steckt viel darin. Zu Anfang sollten es auch nur zwei Filme werden. Dann waren die Studioverantwortlichen in Neuseeland zu Gast, wir zeigten ihnen einen Teil des Materials, und im Juli letzten Jahres fiel die Entscheidung, noch einen dritten Teil zu erschaffen. Wir haben auch die Rechte an den ganzen Anhängen der Bücher erworben. Darin gab es viele kleine Hinweise und Ideen, die man gut verwenden konnte.

Dieser Teil ist viel brutaler als der zuvor. Vier Mal werden Leute geköpft.
JACKSON: Ich musste mir überlegen, wie ich die Orks auf der Leinwand töte. Ich versuche immer, Humor in solche Szenen zu integrieren, also empfinde ich das nicht als sehr gewalttätig.

Also ist es ein Familienfilm?
JACKSON: Ja, auf jeden Fall, auch weil meine ganze Familie daran beteiligt war. Wir leben nur rund fünf Minuten vom Studio entfernt, meine beiden Kinder sind mit im Film, auch wenn sie schon gesagt haben, dass sie später niemals Schauspieler werden wollen. Auch meine Hunde sind zu sehen. Und wieder gibt es einen Kurzauftritt von mir.

Mussten Sie Ängste überwinden?
JACKSON: Die Spinnen. Ich hasse die und habe eine Arachnophobie. Ich mag ihre Netze und ihre Nester nicht, aber es gibt eine Szene im Buch, wo die Spinnen die Zwerge überfallen und einwickeln. Ich musste sie also drehen. Sie wird noch länger werden, denn ich arbeite gerade an der erweiterten DVD Fassung.

Wieso üben die Bücher von Tolkien eine solche Faszination aus?
JACKSON: Tolkiens Bücher werden seit mehr als 70 Jahren geliebt, weil dort so tolle Charaktere zu finden sind. Es geht ja nicht nur um die Schlachtszenen, auch wenn er die sehr lebendig beschreibt. Die Menschen lieben eher die Freundschaften, und ich musste aufpassen, dass die Schlachten dieses Element nicht in den Hintergrund drängen. Ich hatte aber sehr viele Freiheiten. Es gibt Millionen verschiedener Wege, die einzelnen Szenen zu drehen. Wenn Tolkien ein Ereignis schildert, hat der Regisseur die Freiheit zu entscheiden, wie und in welchem Stil die Szene gedreht wird. Das ist eine echte Herausforderung.

So konnten Sie eine neue Figur einfügen wie die Elfin Tauriel, die es im Buch gar nicht gibt.
JACKSON: Tolkien hat eine Reihe von weiblichen Charakteren geschrieben, aber im Hobbit sind sie nicht dabei. Daher haben meine Frau Fran Walsh und ich sie erfunden, um auch eine zarte Liebesgeschichte mit einzubauen.

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