"Salmans Kopf" im Kammertheater

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Noch durchgeknallter kommt die zweite Premiere des Staatsschauspiels zum Saisonstart dahe:, "Salmans Kopf" der Brüder Oleg und Wladimir Presnjakow. Hier macht sich die Familie eines schreibblockierten Autors daran, dessen Kopf meistbietend im Internet zu verscherbeln - Ähnlichkeiten mit dem aktuell eher schreibfreudigen Salman Rushdie sind natürlich "rein zufällig".

Ein Tabubruch mit Promifaktor? Regisseurin Catja Baumann hält den Ball eher flach. Was bleibt, ist eine etwas bemühte, grobschlächtige Farce, die an feinere Grotesken etwa von Daniil Charms nicht heranreicht. Zudem macht die Regie gleich klar: Alles ist Fake! Die Wände sind aus Papier, ein kläffender Hund bleibt unsichtbar, selbst die Flammen im Kaminfeuer sind aus Pappe. Salman (stark im Rushdie-Look: Sebastian Kowski) ist ein eitler Familientyrann im Pyjama. Er kann zwar eine lockere Kesha-Performance tänzeln ("TiK ToK, but the party dont stop"), doch schriftstellerisch fällt ihm nichts mehr ein. Eben deswegen hofft der Familienrat, mit Salmans Kopf im Web eine Million scheffeln zu können. Der muss aber erst mal ab: Dazu rückt ein Fleischer an - der heißt Nimrod, hintersinnig benannt nach einem christlich-jüdisch-islamisch überlieferten, nicht unbedingt gottesfürchtigen Helden - und schmiert schon mal die Guillotine. Wie es ausgeht? Naja, nicht unähnlich "Verstehen Sie Spaß?" Fazit: kein Aufreger, kein Tabukiller. Eher eine kleine, böse Farce, die versucht, dem allgegenwärtigen Horror der Zeit mit leichtem, spielerischem Sarkasmus zu begegnen.Nächste Aufführungen:

26., 28., 29. und 30.9. im Kammertheater NORD.

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