„Neue“ Geschichten von F. Scott Fitzgerald veröffentlicht

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Hoffmann und Campe  Foto: 

F. Scott Fitzgerald war das Wunderkind der amerikanischen Literatur. Als 1920 sein erster Roman „Diesseits des Paradieses“ erschien, war er gerade 23 Jahre alt. In ihm hatte eine neue Generation, die nicht an die Werte der Eltern glaubte, eine Stimme gefunden. Seine Kurzgeschichtensammlung „Geschichten aus dem Jazz Age“ gab einem ganzen Jahrzehnt einen Namen. Und in seinem Roman „Der große Gatsby“ schuf er 1925 ein Porträt eines Lebensstils, geprägt von ausschweifenden Vergnügungen und inhaltlicher Leere.

Aber schon mit 30 schien Fitzgeralds Schaffenskraft erschöpft zu sein. Während seine Altersgenossen Ernest Hemingway, John Dos Passos und William Faulkner erfolgreiche Romane veröffentlichten, versank Fitzgerald in einer tiefen Schaffenskrise. Belastet von Alkoholabhängigkeit und psychischen Problemen seiner Frau Zelda brauchte er neun Jahre, um seinen nächsten Roman zu veröffentlichen – und musste dann feststellen, dass „Zärtlich ist die Nacht“ kaum Leser fand.

Das Geld für seinen aufwendigen Lebensstil verdiente er über zwei Jahrzehnte hinweg damit, dass er Kurzgeschichten an Zeitschriften verkaufte. Mehrere Dutzend Erzählungen konnte Fitzgerald bis zu seinem Tod im Jahre 1940 an Zeitschriften verkaufen, für Preise von bis zu 4000 Dollar pro Geschichte. Sein Hollywood-Roman „Der letzte Tycoon“ blieb unvollendet. Das vielversprechende Fragment erschien erst nach seinem Tod.

Alle Ideen aufgeschrieben

Nun sind jedoch weitere Erzählungen von F. Scott Fitzgerald veröffentlicht worden. 18 Texte aus seinem Nachlass hat Anne Margaret Daniel zusammengetragen und unter dem Titel „Für dich würde ich sterben“ herausgegeben. Die Auftaktgeschichte „Spielschulden“, eine Satire auf das Literaturgeschäft, und wohl auch die Schlussgeschichte „Das Ehepaar“ stammen aus den 20er Jahren, die anderen aus Fitzgeralds letztem Lebensjahrzehnt.

Deutlich wird hier, unter welch großem wirtschaftlichen Druck der Autor stand. Fitzgerald hatte sich angewöhnt, all seine Ideen aufzuschreiben, in der Hoffnung, daraus eine Erzählung machen zu können, die sich verkaufen ließ. Nur stand der Name Fitzgerald für beschwingte, oft leicht ironische Geschichten über junge Leute. Die düstere Weltsicht der späteren Geschichten, die lehnten die Magazine ab.

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