"Meine Bilder sind für die Ewigkeit"

Ist er Fotograf, Fotokünstler oder Maler-Fotograf mit dem Computer? Grenzgänger Andreas Gursky zeigt in Düsseldorf seine neuesten Arbeiten.

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Der Fotokünstler Andreas Gursky in Düsseldorf vor seinem Werk "Kamiokande". Foto: dpa

Die zehnteilige Bangkok-Serie von 2011 hat mit Fotografie nur noch entfernt zu tun. Als Vorlage dienten Gursky von einem Bootsteg gemachte Aufnahmen des durch die thailändische Hauptstadt fließenden Stroms Chao Praya. Nun hängen die Wasserbilder als abstrakte Riesenformate an den Wänden des Museums Kunstpalast, und man muss schon nah herangehen, um den kloakigen Fluss als Ursprung zu erkennen.

Der Grenze zur Malerei ist Gursky (57), der nicht umsonst an der renommierten Düsseldorfer Akademie Professor für Freie Kunst ist, mit seiner digitalen Fotokunst ganz nahe gekommen. "Die Bangkok-Bilder sind wohl das Malerischste, was ich jemals gemacht habe", sagt er. Der müllstrotzende Fluss verwandelt sich dank Gurskys manipulatorischem Geschick am Computer zu abstrakten Kompositionen mit gelb-violetten und schwarz-weißen Lichtspielen.

Mit der informellen Kunst eines Clyfford Still oder den vertikalen Linien eines Barnett Newman werden die Computer-Gemälde Gurskys verglichen. Der nimmt aber nie einen Pinsel zur Hand, er spielt am Computer mit der Formensprache der Malerei von den biblischen Kompositionen der Alten Meister bis zur Gleichzeitigkeit der Perspektiven wie bei Picasso. Die Lichtspiele auf dem Chao Praya werden im Katalog sogar einem Seerosenteich von Monet gegenübergestellt. Wie oft bei Gursky muss man die Bilder aus der Ferne und von ganz nah betrachten. Winzig klein wie ironische Nadelstiche des Künstlers schwimmen Tüten, Puppen, Autoreifen, Plastikflaschen und Smileys mit großen Augen auf dem unruhigen Wasser - digital hineinmontiert.

Maler brauchen die Palette, Gursky braucht die Werkzeuge der digitalen Bildbearbeitung. Eineinhalb Jahre habe er sich mit seinem Computer für die Bangkok-Serie ins Atelier verbannt, bekennt er. Seit den 90er Jahren gebe es kein Bild mehr von ihm, was nicht digital bearbeitet sei. Dennoch sieht sich Gursky weiter als "Fotokünstler", dessen Motive fast immer auf visuellen Erlebnissen basieren. Meist fotografiere er mit dem Handy, um eine Gedächtnisstütze zu haben, bekennt der Fotostar. "In früheren Zeiten bin ich noch in romantischer Manier mit dem VW-Bus durch die Landschaft gezogen und habe so meine Motive gefunden."

Klar, er habe auch Botschaften. In seinem neuesten Bild "Katar" (2012) sitzt schemenhaft ein kleiner Arbeiter hinter einer milchigen Plane in einem goldfarbenen Flüssiggastank, der wie ein glitzernder Gold-Tresor. Das lässt die Assoziationen über die Abhängigkeit von Rohstoffen zu. Der Mensch wird bei Gursky meist ganz klein oder verschwindet in der Masse.

Aber Bilder allein mit Botschaften seien bald nicht mehr brauchbar, meint Gursky. "Meine Bilder sind für die Ewigkeit." Zumindest physisch haben Gurskys Werke Chancen auf Langlebigkeit. Er lässt sie mit Silikon direkt auf Acrylglas schweißen - "für die Ewigkeit".

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