"Ich wandle zwischen zwei Welten"

Cat Stevens? Das ist langer her. Im Interview spricht Yusuf Islam über sein neues Album, die Hoffnung auf Frieden und den Islam.

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Ist noch immer ein Träumer: Yusuf Islam.  Foto: 

Als Cat Stevens waren Sie ein westlicher Popstar, als Yusuf richten Sie Ihr Leben nach dem Koran. Haben Sie Ihre Identität gefunden?

YUSUF ISLAM: Ich wandle zwischen zwei Welten. Da ist es schwierig, genau zu sagen: Das ist, wer ich bin. Ja, ich habe meine Identität so ziemlich gefunden, als ich meinen Glauben gefunden habe. Aber zu sagen, dass ich aufgehört habe zu lernen, ist unmöglich. Wissen kann aus jeder Richtung kommen, aber man muss offenherzig genug sein, um es zu empfangen.

Auf Ihrem neuen Album "Tell Em Im Gone" lassen Sie den Blues-Sound der 50er Jahre auferstehen. Was verbindet Sie mit dieser Musik?

YUSUF: Schon als Teenager habe ich Rhythm and Blues gehört, die kleinen Scheiben aus schwarzem Wachs aus den USA haben mich beeinflusst: Muddy Waters, Bo Diddley, Chuck Berry. . . Das waren die ersten Lieder, die ich auf der Gitarre gelernt habe, auf einer Feuertreppe, als ich als Kunststudent eigentlich im Unterricht sein sollte. Es ist großartig, den Wurzeln dieser Musik zu folgen - das führt dich an ihren Kern.

Mit Blues sind Sie aber nicht bekanntgeworden. Warum nicht?

YUSUF: Ich war wohl zu individualistisch. Als ich anfing, Platten zu machen, ging ich durch eine Phase, in der andere Leute meine Musik bestimmten. Das war hart für mich. "Tell Em IGone" steht für den Abschied davon, im Käfig der Wahrnehmung anderer zu sein. Dafür, deinen eigenen Weg zu finden, der dir entspricht und angenehmer ist, als von anderen einen Stempel aufgedrückt zu bekommen.

Im November treten Sie auf Ihrer "Peace train. . . late again"-Tour in Berlin, Hamburg und Düsseldorf auf. Die Konflikte sind seit 1971, als Sie "Peace Train" schrieben, nicht weniger geworden.

YUSUF: Das ist richtig. Ich trage weiter die Botschaft der Hoffnung. Aber ich bin auch Realist - und noch ist es nicht soweit. Ich bin jemand, der immer noch träumt.

Sowohl im Namen des Islam als auch im Namen der Demokratie wird dieser Tage Unrecht getan.

YUSUF: Stimmt. Die Frage sollte aber nicht sein: Auf welcher Seite stehst du? Das wäre antagonistisch. Wir brauchen mehr Protagonisten! So wie ich das sehe, sind die rar gesät. Auf beiden Seiten. Es ist leicht, in den Krieg zu ziehen, Frieden zu schaffen, ist so viel komplizierter. Ich denke, der Schlüssel ist die Bildung. Ohne Bildung werden die Menschen sich ihre Lektionen von anderen holen, und die werden wahrscheinlich nicht ausgebildet sein und radikal denken.

Nach Ihrer Konversion zum Islam haben Sie lange keine Musik gemacht. Warum hat es so lange gedauert, bis Sie sagten: Die Gitarre und der Islam schließen sich nicht aus?

YUSUF: Ich muss mich immer noch oft erklären, weil es auch in der muslimischen Gemeinde Kritik gibt. Einige muslimische Kritiker haben nur eine pauschale Idee davon, was Musik bedeutet. Meine Texte haben sie offensichtlich nicht gelesen. Genauso, wie viele Leute nur eine pauschale Idee davon haben, wofür Muslime stehen. Da gibt es so viele Zerrbilder. . . zerbrochene Spiegel. Aber, nochmal, auch viele Muslime müssen noch viel lernen. Ich glaube, meine Position ist da ziemlich einzigartig und wichtig, um eine Brücke zu schlagen.

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