"Deutscher Metal ist quasi der Mercedes Benz"

Im Ausland genießt Heavy Metal aus Deutschland einen hervorragenden Ruf. Aber auch hierzulande läuft der Markt. Warum eigentlich?

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Nick Hüper ist Wacken-Kommunikationsleiter.  Foto: 

Das weltgrößte Heavy-Metal-Festival in Wacken war binnen eines Tages ausverkauft. Bands wie die Scorpions und Rammstein zählen zu den erfolgreichsten Musik-Exportgütern. In der weltweiten Metal-Szene scheint der Standort Deutschland nach wie vor einen hervorragenden Ruf zu genießen. "Bei Metal gilt immer noch das Qualitätsmerkmal ,Made in Germany'", sagt Sängerin Doro Pesch. "Deutscher Metal ist quasi der Mercedes Benz."

Die Macher des schleswig-holsteinischen Wacken Open Air haben sich derweil den neuesten Coup ausgedacht. Sie laden in der kommenden Woche zur Skifreizeit "Full Metal Mountain" ins österreichische Nassfeld. "Viele Fans wollen Urlaub mit ihrer Leidenschaft für Musik verbinden", sagt Wacken-Kommunikationsleiter Nick Hüper. Deshalb hätten sie unter dem Motto "Ahoi Metalheads" vor Jahren ihre Metal-Kreuzfahrten ins Leben gerufen. Die letzte war innerhalb von 20 Minuten ausverkauft. Die 75.000 Tickets für das Wacken-Festival gingen an einem Tag weg. Laut Hüper kommen 30 Prozent der Besucher aus dem Ausland.

Das Festival in dem 1800-Einwohner-Dorf wurde 1990 aus einer Bierlaune heraus ins Leben gerufen. Damals kamen 800 Gäste. Inzwischen gilt es als größtes Metal-Spektakel weltweit. Den Vorwurf des kommerziellen Ausverkaufs will Nick Hüper nicht gelten lassen. Aktionen wie die teureren Reisen würden von den Älteren gerne angenommen. "Metalfan bist du ein Leben lang", erklärt Hüper. Egal, ob man Arzt oder Anwalt sei, die Liebe zur Musik bleibe. "Aber man hat nicht mehr unbedingt Lust, vier Tage beim Festival im Matsch zu zelten."

2015 standen mit Werken von Slayer, Iron Maidon und Motörhead drei internationale Metal-Alben auf Platz eins der deutschen Charts. "Deutschland hat einfach ein Herz für Heavy Metal", sagt Metal-Queen Doro. Große Bands seien über Jahrzehnte im Geschäft. "Die alten Recken halten immer noch die Fahne hoch", sagt auch Marcus Hammer vom Heavy-Metal-Label Nuclear Blast in Donzdorf, das deutsche Bands wie Blind Guardian oder Helloween vertreibt. Die Firma wurde vor fast 30 Jahren in der baden-württembergischen Provinz gegründet und hat Ableger in Großbritannien, Brasilien und den USA.

Wie laufen die Geschäfte in Zeiten der Digitalisierung? "Für uns ist das alles relativ erfreulich", sagt er. "Fans der schweren Musik sind Traditionalisten, die gerne ein physisches Produkt in der Hand halten." Allerdings sieht Hammer ein Nachwuchsproblem. "Es gibt nicht so viele junge deutsche Band, die nachgewachsen wären." Für Doro ist Südamerika besonders spannend. Interessant seien auch China und Russland, "da durften wir ja früher gar nicht auftreten". Wacken gelte weiter als Pilgerort. "Wenn ich die Wacken-Hymne singe, packt immer irgendjemand im Publikum ein Festival-T-Shirt aus und singt mit stolz geschwellter Brust mit", sagt sie. "Einmal nach Wacken, das ist für viele ein Lebenstraum."

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