„Der Erzähler“ in der ADK: In den Bürgerkrieg aus 1001 Nacht

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Im alten Syrien gingen die Menschen jeden Donnerstagabend in ein Café, um sich Geschichten anzuhören. Diese Tradition will Hozayfa Al Rahmoun wiederaufleben lassen. In seinem Theaterstück „Der Erzähler“ will er am Ulmer Akademietheater einen Bogen von altorientalischem Brauchtum in die Bürgerkriegsgegenwart schlagen.

„Wir zeigen die Kultur der Menschen, die geflüchtet sind“, sagt der 22-Jährige. Während die erste Hälfte der Entstehungsgeschichte der Märchen aus Tausendundeiner Nacht gewidmet sei, gehe es im zweiten Teil des Stücks darum, „wie die Menschen aus den Märchen in den Krieg herausgezogen werden“, sagt Al Rahmoun. Wie genau der Bruch zwischen Märchen und Bürgerkriegsrealität inszeniert wird, will er aber noch nicht verraten.

Der aus Syrien stammende Regiestudent der AdK ist selbst dem Bürgerkrieg entkommen. Zusammen mit seinen Eltern floh er mit 17 Jahren in den Libanon. 2014 kam er durch die Vereinten Nationen über ein Auffanglager im niedersächsischen Friedland nach Oggelsbeuren in der Nähe von Biberach.

Kaum angelangt in Deutschland, wurde er schon Teil des Projekts „Zuflucht Kultur“ der Mezzosopranistin Cornelia Lanz. Zusammen mit den syrischen Flüchtlingen führte sie Mozarts Opern „Così fan tutte“ und „Zaide“ auf, Al Rahmoun hatte Auftritte in mehreren deutschen Großstädten. Durch das Projekt konnte er ein Stipendium erlangen, das ihm nun ein Studium an der AdK ermöglicht.

Inspiriert von der Opernerfahrung, hat er in Oggelsbeuren angefangen, selbst zu schreiben, ein Gedichtband und eine Kurzgeschichte sind entstanden. Gemeinsam mit anderen Geflüchteten gründete er zudem sein eigenes „Ensemble Zukunft“. Mit ihm wird er nicht nur „Der Erzähler“ aufführen, auch den Kurzfilm „Burgenland 71“ hat er mit dem Ensemble gedreht. Der thematisiert das Schicksal jener 71 Flüchtlinge, die 2015 auf der Flucht durch Österreich in einem Lastwagen erstickt sind.

Info Die Premiere von „Der Erzähler“ findet morgen, Mittwoch, 20.15 Uhr im Akademietheater statt. Karten unter Tel. 0731/38 75 31 und info@adk-ulm.de.

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