"Cinderella" & Co.: Wenn *Hollywood*den Schuh macht

Rucke di guh, rucke di guh! Blut ist im Schuh. Der Schuh ist zu klein, die rechte Braut sitzt noch daheim!" Nein, auf den Spruch wartet der Zuschauer in "Cinderella" vergeblich.

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In Kenneth Branaghs am Donnerstag anlaufenden Disney-Film wird nicht an Füßen herumgemetzgert. Die gläsernen Schuhe - von Pantoffeln mag man hier wirklich nicht reden - funkeln derart prächtig, dass jeder Blutstropfen unangemessen wäre.

Im Kino geht es meist um Blicke und Gesten. Füße und Schuhe stehen selten im Fokus. Klar, wenn man an Märchen denkt, ist der "Gestiefelte Kater" nicht fern, auch fesselte "Der Schuh des Manitu" Millionen, und Cineasten werden sofort die berühmten Fußfetischisten Alfred Hitchcock und Quentin Tarantino anführen. Aber das sind eher Ausnahmen.

Und doch hatten einige Schuhe unvergessliche Kino-Auftritte. Berühmt wurden die "Ruby Slippers" in "The Wizard of Oz" (1939) - dank mehrerer Großaufnahmen in prächtigem Technicolor. Und dank ihrer magischen Fähigkeiten: Das Mädel Dorothy (Judy Garland) muss lediglich die Absätze dreimal zusammenschlagen und "There's no place like home" sagen, schon ist sie wieder in Kansas; dort lebt man allerdings noch in Schwarz-Weiß. 1979 wurde ein Paar der Zauberschuhe dem National Museum of American History vermacht, dort gehört es seither zu den populärsten Exponaten.

Schuhe stehen natürlich im Mittelpunkt, wenn getanzt wird. Der berühmteste Ballettfilm aller Zeiten ist sogar nach seinen wahren Protagonisten benannt: "Die roten Schuhe" (1948). Und im Kultfilm der 80er Jahre, "Dirty Dancing", geht Jennifer Grey als Baby in weißen Keds Champion Originals auf Tuchfühlung mit Patrick Swayze.

Es ist wohl kein Zufall, dass es oft Cinderella-Geschichten sind, in denen Schuhe profilierte Rollen spielen. Beispiel: Ersetzt man Aschenputtel durch eine Prostituierte, kommt "Pretty Woman" heraus - statt Glas trägt Julia Roberts PVC, in Gestalt von Overknee-Stiefeln.

"Men I may not know, but shoes? Shoes I know": Ja, von Schuhen hatte Carrie Bradshaw mehr Ahnung als von Männern. Die Heldin der Serie "Sex and the City", die vor 15 Jahren für tolle Einschaltquoten sorgte, wurde geliebt für ihre Outfits. Besonders stand Carrie auf Schuhen des Spaniers Manolo Blahnik, der dadurch zur ganz großen Nummer wurde. Ja, wenn ein Markenname in einer weltweiten HitSerie so prominent platziert wird - dann wird ein Schuh daraus.

Der Job von Kostümdesignern im Film ist es freilich weniger, AbsatzMärkte zu erobern. Sie sollen Kleidung gestalten, die zu den Charakteren passt. Wie Boris Karloffs je fünf Kino schwere Botten in "Frankenstein" (1931), die dem Monster den Schlurfgang verliehen. Oder Alex' militante schwarze Treter in "Clockwork Orange" (1971), Molly Ringwalds braune Stiefel in "Breakfast Club" (1985) oder Jeff Bridges Schlappen in "Der große Lebowski" (1998): die schuhgewordene Schluffigkeit eines Antihelden, passend zum Bademantel. Weniger ausgelatscht war eine Sonderanfertigung im James-Bond-Film "Liebesgrüße aus Moskau" (1963): Rosa Klebb ging ihren Widersachern mit einem Giftstachel-Modell auf den Senkel.

Clint Eastwood trug derweil dem Vernehmen nach in "Erbarmungslos" (1992) noch die gleichen Western-Boots, mit denen er schon 1959 in der TV-Serie "Rawhide" Bösewichter versohlt hatte.

Apropos erbarmungslos: Den ungleichen Kampf zwischen T-800 (Arnold Schwarzenegger) und Kyle Reese (Michael Biehl) in "Terminator" (1984) konnte man schon am Schuhwerk ablesen: hier Biker-Boots, dort schwarzweiße Nikes.

Als Sportschuhe unter der cooleren Bezeichnung Sneaker den Alltag eroberten, hinterließ auch das auf Bildschirm und Leinwand Spuren. Das fußt in den 70ern, als die Rüpelcops Starksy & Hutch Adidas trugen und Ellen Ripley in "Alien" (1979) das Monster mit weißen Chucks in den Allerwertesten trat. 1984 hatte dann Eddie Murphy in "Beverly Hills Cop" seinen Auftritt: Er zog zwar mächtig vom Leder, rannte aber mit Sambas von Adidas durch die Gegend. Prominent in Szene gesetzt wurden später die Nikes des Dauerläufers Forrest Gump (1994), und Uma Thurman trug in "Kill Bill" (2003) perfekt zum gelb-schwarzen Trainingsanzug passende Asics Onitsuka Tiger.

Und dann sind da noch Marty McFlys Sneaker in "Zurück in die Zukunft". Für den 1989 gedrehten, teils 2015 spielenden zweiten Teil der Zeitreisekomödie erfanden die Designer futuristische, selbstschließend Nike Air Mags. Nun schreiben wir 2015, und Nike will tatsächlich solche Schuhe herausbringen.

Cinderellas gläserne Highheels werden dagegen eher nicht im Schaufenster stehen. Im Film sagt die gute Fee übrigens, sie seien äußerst bequem. Spätestens dann ist klar: Es handelt sich wirklich um ein Märchen.

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