"Autoren, die nicht reden, existieren nicht"

Welche Bedeutung haben Interviews mit Schriftstellern? Im Frankfurter Literaturhaus findet zu dem Thema eine öffentliche Tagung statt.

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Hauke Hückstädt leitet das Frankfurter Literaturhaus.

Unter dem Titel "Echt inszeniert" findet von Mittwoch bis Freitag im Frankfurter Literaturhaus eine Tagung statt: Es geht um die wachsende Bedeutung von Interviews mit Schriftstellern. Die Goethe-Universität Frankfurt und die Georg-August-Universität Göttingen haben das Treffen organisiert. Ein Gespräch mit dem Leiter des Literaturhauses, Hauke Hückstädt.

Welche Bedeutung haben Interviews für den Literaturbetrieb?

HAUKE HÜCKSTÄDT: Sie sind enorm wichtig geworden. Zugespitzt gesagt: Ein Autor, der heutzutage nicht redet, existiert nicht.

Sind Schriftsteller gute Gesprächspartner?

HÜCKSTÄDT: Sie sind nicht immer dankbare Gesprächspartner. Schriftsteller sind Selbstgesprächler. Beim Schreiben haben sie lange, lange mit sich selbst gesprochen, allenfalls sprechen sie mit ihren Figuren. Wenn das Buch dann fertig ist, sind sie an eine Gesprächsform wie ein Interview nicht mehr gewöhnt.

Wie bringt man einen maulfaulen Autor zum Reden?

HÜCKSTÄDT: Indem man mit ihm über das spricht, was einen selbst wirklich interessiert. Echtes Interesse wird auch einen Autor nie kalt lassen. Und indem man mit ihm über das spricht, was seine Arbeit wirklich ausmacht und keine tagespolitischen Fragen stellt.

Beim Lesen hat man ja häufig den Eindruck, alle Journalisten stellen die gleichen Fragen. Wie kann man das durchbrechen?

HÜCKSTÄDT: Durch Eigensinn. Uns fehlt überhaupt Eigensinn im Kulturbetrieb. Alle haben Angst, Fehler zu machen und alle glauben zu wissen, was andere interessiert. Dabei kann man gerade durch Abseitigkeiten viel zum Vorschein bringen.

Wie reagieren Autoren, wenn die Fragen von Schema F abweichen?

HÜCKSTÄDT: Dankbar! Gute Autoren können sich allzu gut selbst zuhören und mögen es nicht, wenn sie sich wiederholen.

Der Leser will ja den Schriftsteller hinter dem Buch kennenlernen. Ist ein Interview dafür denn ein gutes Vehikel?

HÜCKSTÄDT: Es ist der schnellste Weg, etwas über einen Autor zu erfahren. Wir haben in den Autor schon hineingeschaut, ohne das Buch gelesen zu haben.

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