„Aida“ auf der Wilhelmsburg: Nur 60 Prozent der Plätze belegt

Das Publikum beklatscht die Aufführungen, aber nur 60 Prozent der Plätze sind im Schnitt belegt: Eine Zwischenbilanz der „Aida“.

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Die Sänger auf der Wilhelmsburg sind top: Anna Danik als Amneris.  Foto: 

Die Niederschlagswahrscheinlichkeit liegt in Ägypten derzeit bei null. Was natürlich auch in Ulm noch besser wäre für eine Oper, die am Nil spielt – und für die Nerven der Veranstalter. Trotzdem, keine „Aida“-Vorstellung auf der Wilhelmsburg ist bisher ausgefallen, auch am Mittwoch war’s ein wunderschöner Open-Air-Abend; nur ein paar Pfützen erinnerten an das vorausgegangene Unwetter.

Die Zuschauerbilanz sieht fürs Theater Ulm allerdings etwas verhagelt aus – nur auf rund 60 Prozent Platzauslastung kommt die Verdi-Oper bis jetzt, was Verwaltungsdirektorin Angela Weißhardt beklagt. Hat das Theater doch zuletzt mit Publikumshits wie „West Side Story“ und „Rocky Horror Show“ gewaltig seine Kasse aufgebessert.

„Die Erwartungen darf man bei einer Oper nicht in die Höhe schrauben, zum Musical kommt auch ein Publikum auf die Wilhelmsburg, das sonst nicht ins Theater findet.“ Dennoch sagt Angela Weißhardt: „Wenn wir eine Siebener-Zahl schaffen, schlafe ich besser.“ Noch neun Vorstellungen bis zum 15. Juli stehen auf dem Spielplan.

Was sind die Gründe für leere Ränge? Die Inszenierung ist es gewiss nicht. Matthias Kaisers „Aida“ erhält viel Beifall, der Klang ist gut und das Ensemble stark. Nicht wenige Opernfans kommen mehrmals, um verschiedene Sänger in den Partien zu erleben – als Aida begeistert nicht nur Valda Wilson, sondern auch Hélène Lindqvist, der ein erstaunlicher Wechsel ins dramatische Sopranfach gelungen ist und die bei ihrem Ulmer Comeback mit durchschlagender Power wie innigen lyrischen Tönen auftritt. Auch die Atmosphäre auf der bewirteten Wilhelmsburg: sommerlich perfekt.

Es ist aber so: Das Theater Ulm hat ziemlich kühn 18 Aufführungen à 1631 Plätze angesetzt, darunter einige in den Pfingstferien,. Und am 30. Juni beginnen zudem die Theatertage Baden-Württemberg. 60 Prozent, das heißt: Im Schnitt würden in jede Vorstellung mehr Besucher kommen als in ein ausverkauftes Großes Haus (830 Plätze). Aber der Open-Air-Spielort Wilhelmsburg, der zunächst hohe Kosten für die überdachte Zuschauertribüne verursacht, soll ja ein Zusatzgeschäft fürs Theater im freien Verkauf sein – weshalb die Vorstellungen nicht in den Abonnements laufen.

Der Kartenpreis ist auf der Wilhelmsburg jedenfalls moderat: 41 Euro für den teuersten Platz. Nebenan bei den Opernfestspielen in Heidenheim muss der Besucher bis zu 95 Euro hinblättern für eine Aufführung von Richard Wagners „Fliegendem Holländer“ unter Leitung von Marcus Bosch (Premiere am 7. Juli). Es sind ja auch Festspiele: Auf Schloss Hellenstein spielen die Stuttgarter Philharmoniker und singt das Ensemble elektronisch unverstärkt. 860 Plätze bietet der Rittersaal, für die acht Vorstellungen gibt es fast nur noch Restkarten. Das gesamte Heidenheimer „Holländer“-Publikum würde in vier Wilhelmsburg-Aufführungen passen.

Konkurrenz aber machen sich Ulm und Heidenheim nicht – das Theater und die Festspiele organisieren sogar den Austausch des Publikums per Bus.

Aufführungen Noch neun Mal steht Giuseppe Verdis „Aida“ auf dem Spielplan: am 27. und 29. Juni sowie am 1., 5., 7., 9., 11., 13. und 15. Juli. Alle Vorstellungen auf der Wilhelmsburg beginnen um 20 Uhr. Infos auch zum Shuttle-Service unter www.theater-ulm.de

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