Vom Enfant terrible zum "rasenden Chronisten"

Die Feuilletons sind sich einig: Rainald Goetz verdient den Büchner-Preis. Mit Spannung erwarten sie die Rede des eigenwilligen Autors zur Verleihung.

THOMAS MAIER, DPA |

Mit einem vollen Haus darf der Berliner Schriftsteller Rainald Goetz bei der Verleihung des Georg-Büchner-Preises am Samstag in Darmstadt rechnen. Rund 800 Menschen wollen im Staatstheater dabeisein, wenn sich das 61 Jahre alte frühere Enfant terrible der deutschen Literatur in seiner Dankesrede mit Georg Büchner und dessen Werk auseinandersetzt.

Dies ist die Bedingung, die die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung den Trägern der 1923 erstmals verliehenen, renommiertesten literarischen Auszeichnung des Landes macht.

Goetz, seit jungen Jahren für aufmüpfige und ungestüme Prosa bekannt, dürfte zu dem unweit von Darmstadt geborenen Büchner (1813-1837) vermutlich einiges einfallen. Mit dem Dramatiker und Revolutionär verbindet Goetz, der sich bei einem legendären Auftritt 1983 in Klagenfurt die Stirn aufritzte, die Lust zum Theater und zur Provokation. Und wie Büchner die deutschen Kleinfürsten mit Hohn und Spott überzog, hat sich Goetz immer wieder über den selbstverliebten Medien- und Kulturbetrieb lustig gemacht. Der Kritiker des Feuilletons gehört aber schon längst zu dessen Lieblingen.

Die Vergabe des Preises an den "rasenden Chronisten unserer Gegenwart" ("Die Zeit") hat viel öffentliche Zustimmung gefunden.

Der in München aufgewachsene Goetz, promovierter Arzt und Historiker, begann einst mit dem furiosen Debütroman "Irre" (1983). Darin beschrieb er seine Zeit als Nervenarzt. 2012 lieferte er mit "Johann Holtrop" einen Roman über Aufstieg und Fall eines zynischen Medienmanagers ab, für den nach allgemeiner Lesart der frühere Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff Pate stand. In seinen Romanen, Dramen und Erzählungen hat sich der eigenwillige Autor mit Vorliebe mit der deutschen Gegenwart beschäftigt. Er schilderte 1998 in "Rave" das Abtauchen in Sex und Drogen in Berliner Technoclubs. Zur selben Zeit entstand ein Internet-Tagebuch ("Abfall für alle").

Der Büchner-Preis, den anstelle des einstigen Volksstaats Hessen seit 1951 die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung jedes Jahr während ihrer Herbsttagung vergibt, ist mit 50.000 Euro dotiert. Zugleich verleiht sie den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa (20.000 Euro) an Sprachwissenschaftler Peter Eisenberg. Die Journalistin und Autorin Gabriele Goettle (69) erhält den ebenfalls mit 20.000 Euro dotierten Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay.

In Braunschweig wird am Sonntag der mit 30.000 Euro hoch dotierte Wilhelm-Raabe-Preis verliehen. Er geht an den bereits vielfach ausgezeichneten jungen Österreicher Clemens J. Setz für seinen Roman "Die Stunde zwischen Frau und Gitarre". Der 33-Jährige entwerfe darin eine neue, verstörende und zugleich hochkomische Dimension der Realität, hieß es zur Begründung. Rainald Goetz hatte den Raabe-Preis im Jahr 2000 erhalten.

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