Verrückt nach Aschenbrödel
Was wäre Weihnachten ohne "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel"? Der Märchenfilm von 1973 hat Kultstatus und zahlreiche Fans. Zum Fest läuft er auch in diesem Jahr wieder viele Male im Fernsehen.
Der Film "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" ist Kult. Für viele gehört er zu Weihnachten, wie "Dinner for One" zu Silvester. Natürlich weil alles darin so schön, so märchenhaft, so zuckersüß ist. Schön ist die schneebedeckte Landschaft - der Zuschauer weiß ja nicht, dass das Filmteam von Regisseur Václav Vorlícek während der Dreharbeiten im Winter 1972/73 Kunstschnee verwendet hat. Märchenhaft ist die Eule Rosalie, unter deren Augen sich die drei Haselnüsse auf wundersame Weise in Kleider verwandeln. Und zuckersüß ist die während des Drehs 19-jährige Schauspielerin Libuse Safránková alias Aschenbrödel, wie sie am Filmende auf ihrem Schimmel Nikolaus samt Hochzeitskleid und Prinz (Pavel Trávnícek) durch den Schnee reitet.
Aber der Film nach der Erzählung von Bozena Nemcová, die damit das Grimm-Märchen "Aschenputtel" variiert hat, ist noch mehr. Klar ist Herz-Schmerz dabei und ein romantisches Happy End, währenddessen die rührende Filmmusik von Karel Svoboda schon mal auf die Tränendrüse drücken kann. Der Film ist aber auch witzig und humorvoll und vor allem: Er zeigt eine emanzipierte Hauptfigur. Obwohl sie von ihrer Stiefmutter und deren Tochter Dora gepiesackt und zum Erbsenzählen genötigt wird, brennt Aschenbrödel immer wieder durch. Sie geht zur Jagd, reitet schneller und schießt besser als der Prinz. Noch dazu führt sie ihn an der Nase herum, gibt ihm Rätsel auf und entscheidet sich erst für ihn, als er ihr ihren Schuh wiederbringt.
Genau dieses Moment der Emanzipation ist es, was Kathrin Miebach aus Meschede an dem Film so fasziniert. "Aschenbrödel nimmt ihr Leben selbst in die Hand, das finde ich super", sagt die 37-jährige Berufsschullehrerin, die unter dem Filmtitel vor neun Jahren eine Fan-Homepage eingerichtet hat. "Ich wollte wissen, ob es noch andere gibt, die dasselbe Hobby haben."
Die gibt es zuhauf. Davon zeugen nicht nur die täglich 1000 Visits auf der Fan-Seite und die gut 100 angemeldeten Besucher im Chat-Forum. Das beweisen auch die Zahlen des Progress Filmverleihs, der die tschechisch-deutsche Koproduktion im Sortiment hat: Seit der Kinopremiere im März 1974 in der DDR haben den Film in deutschen Kinos fünf Millionen Zuschauer gesehen. Auf Video und DVD ist er mehr als eine Million mal verkauft worden.
Zur Weihnachtszeit läuft der Film nicht nur regelmäßig im Fernsehen, dieses Jahr ist er auch in einigen deutschen Kinos zu sehen, jedoch nicht mehr hier im Südwesten. Und wie oft hat Kathrin Miebach den Film schon angeschaut? Unzählige Male. Bereits als Mädchen sei ihr klar gewesen: "Das will ich auch." Einmal so ein Kleid tragen und damit auf einem Ball tanzen. Aus diesem "einmal" ist einmal im Jahr geworden. Seit 2000 veranstaltet Kathrin Miebach jährlich im Januar eine Aschenbrödel-Kostüm-Party auf Burg Bilstein im Sauerland, zu der vorwiegend Frauen aus ganz Deutschland anreisen.
Im Jahr 2005 sei die Sache dann explodiert. Der Grund: Die Zeitschrift "Brigitte" hatte über den Ball berichtet. Später drehte der WDR einen Dokumentarfilm, dann schrieb ein Journalist nach dem anderen. Bis heute ist der Hype nicht abgebrochen, zuletzt war Kathrin Miebach gemeinsam mit "Prinz" Pavel Trávnícek bei der Talkshow "Unter Uns" im MDR zu Gast.
Auf die Nerven geht der 37-Jährigen der Medienrummel nicht. Im Gegenteil: "Dadurch passiert immer wieder was Neues." Zuletzt hätten die vielen Aschenbrödel-Fans eine Ausstellung auf Schloss Moritzburg bei Dresden angestoßen, das während der Dreharbeiten als Kulisse gedient hat. Sie hätten einfach immer wieder nach der Treppe gefragt, auf der Aschenbrödel seinen Schuh verloren hat. Noch bis 10. Januar sind dort Originalkostüme, Requisiten und nachgebaute Kulissen aus dem Film zu sehen. Danach soll es ein dauerhaftes Aschenbrödel-Kabinett im Schloss geben.
www.dreihaselnuessefueraschenbroedel.de
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Autor: NINA RECKMANN | 24.12.2009
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Der Schuh passt wie angegossen und das Happy End ist perfekt: Aschenbrödel (Libuse Safránková) und ihr Prinz (Pavel Trávnícek) in der zauberhaften Verfilmung von Regisseur Václav Vorlícek. Fotos: Progress Filmverleih/Jaromir Komárek
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