"Und das bin ich?" - Siegfried Weishaupt sammelt seit 50 Jahren Kunst

Ein "Leben mit Kunst" zeigt Siegfried Weishaupt von Samstag an in seiner Ulmer Kunsthalle. Der Unternehmer feiert 50 Jahre Sammeln - von den Formen der konkreten Kunst bis zu den Farben der Pop Art.

LENA GRUNDHUBER |

"Heißt das sozusagen . . . das bin ich?" Es ist ein entwaffnender und irgendwie auch lustiger Moment, wie Siegfried Weishaupt da am Ende der Presseführung inmitten seiner Sammlung steht und in die Runde schaut. Als könnten die Bilder auf den Sammler zurückschauen und ihm eine Antwort darauf geben, warum er sie geholt hat.

Die einfachste Antwort hat der Unternehmer aus Schwendi kurz zuvor eigentlich schon selbst gegeben: "Wenn ich etwas Schönes sehe, kauf ich es." Seit einem halben Jahrhundert macht er das so und hat auf diesem Wege eine der größeren privaten Kunstsammlungen in Baden-Württemberg zusammengetragen.

Um seine Werke zeigen zu können, hat er vor einigen Jahren ein eigenes Haus in der Ulmer Stadtmitte gebaut: 2007 eröffnete die Kunsthalle Weishaupt, in der nun - zum 50-jährigen Bestehen der "Sammlung Siegfried und Jutta Weishaupt" und auch zum 75. Geburtstag des Sammlers selbst - die Ausstellung "Leben mit Kunst" eröffnet.

Einen Eindruck vor allem von den ersten 25 Jahren seiner Kunstleidenschaft solle die Schau mit dieser sehr persönlichen Auswahl vermitteln, sagt Weishaupt: "Ich gehöre zu der Sorte von Sammlern, die zu ihren Anfängen stehen." Und übrigens auch zu ihren Fehlentscheidungen: "Wenn ich mich von Bildern getrennt habe, waren das Riesenfehler" - ein einst veräußerter Mark Rothko gehört schon zum Legendenschatz; dafür hängt heute ein anderer schöner, großer, roter Rothko an der Wand.

Weishaupts allererste Erwerbung, das Mappenwerk "Daphnis und Chloe" von Marc Chagall mit Farblithografien, wird man in dieser Ausstellung dennoch nicht finden - denn die ist fast ausschließlich Gemälden gewidmet. Und das allererste gekaufte Gemälde ist ja auch viel typischer, als irgendein Chagall es sein könnte: Richard Paul Lohses konkrete "Acht Farbgruppen mit hellem Zentrum" eröffnen das von Weishaupt so betitelte "Privatkabinett". Einen Raum, der den Ausgangs- und nach wie vor einen Schwerpunkt der Sammlung repräsentiert: die konkrete Kunst, die strenge Ästhetik klarer Formen und Farben. Neben einer Mondrian-Komposition findet sich ein klar davon inspirierter Fritz Glarner, aber da sind natürlich auch Square-Hommagen des Hausheiligen Josef Albers; als Lehrer an der einstigen Hochschule für Gestaltung (HfG) in Ulm hat der mit der Stadt ohnehin eine besondere Verbindung.

Die Gruppe Zero ist mit Günther Uecker, Otto Piene oder Heinz Mack vertreten. Die große Stirnwand der Kunsthalle, die sonst meist großen Einzelwerken vorbehalten ist, widmet Siegfried Weishaupt diesmal dem Andenken eines Künstlers, der ihm auch freundschaftlich verbunden war: Drei riesige Farbraumkörper des 2013 verstorbenen Gotthard Graubner prangen, nein, sie schweben dort oben.

Es ist beileibe nicht alles 50 Jahre alt, was hier hängt, und vor allem ist bestimmt nicht alles konkret. Neben Rothko kommen ein Stockwerk höher die Amerikaner mit Rauschenberg, Lichtenstein, de Kooning bis hin zu Basquiat zu ihrem Recht. Und führen hinüber zu den besonders wirksamen Großformaten: Andy Warhols doppelter Jesus in "Last Supper" korrespondiert nicht nur schön mit C.O. Paeffgens "Beethoven", sondern kontrastiert auch mit Ben Willikens menschenleerem, heruntergekühltem "Raum 608 (Last Supper, Abendmahl V)".

Mit dem gleichaltrigen Willikens, deutet Weishaupt an, habe er bald noch ein Projekt im Sinn. Im Spätherbst in Ulm aber wird es erst einmal mit der "Fortsetzung", mit den jüngeren Positionen aus seinem Besitz also, weitergehen. Die Kunsthalle sei schließlich für seine Sammlung entstanden, betont Weishaupt auch bei dieser Gelegenheit wieder. Eine Einzelausstellung wie die vorangegangene Retrospektive von Hans Peter Reuter - der man durchaus mehr als 12 000 Besucher zugetraut hätte - sei vorerst nicht geplant.

Bleibt ein repräsentativer Querschnitt, durch 50 Jahre Leben, durch 50 Jahre Kunst.

Kunst in der Donaustadt

Die Ausstellung "Leben mit Kunst - 50 Jahre Sammlung Siegfried und Jutta Weishaupt" ist von 17. Mai bis 9. November in der Kunsthalle in der Neuen Mitte in Ulm zu sehen.

Öffnungszeiten Di bis So 11-17 Uhr, Do bis 20 Uhr. Öffentliche Führungen jeweils Do 18 Uhr und Sa 14 Uhr. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro. Infos im Internet: www.kunsthallenweishaupt.de

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