Palucca-Schule in Dresden wird 85
Dresden. Vor 85 Jahren gründete die Tänzerin Gret Palucca ihre eigene Schule. Es ist heute Deutschlands einzige eigenständige Tanzhochschule.
"Wir machen eine Skispur in den Boden", beschreibt Tanzlehrer Matthias Markstein seinen Schülern eine Bewegung. Es ist mitten im Sommer. Die Mädchen und Jungen im Alter von 15 und 16 Jahren gehören zur Palucca-Schule Dresden und haben bei Markstein Modernen Tanz. Von 1997 bis 2001 war der Lehrer hier selbst Schüler.
Die Ausbildung dort ist eine Schule fürs ganze Leben. Nicht alles dreht sich um Disziplin, Präzision, um Tanz auf der Spitze oder Improvisation. "In unserer Lehrphilosophie steht Autonomie im Mittelpunkt", sagt Rektor Jason Beechey. Es gehe um die Kreativität der Studenten, um ihre intellektuellen Fähigkeiten. Die Tänzer müssten für sich selbst denken können, hatte der Kanadier schon zur Amtseinführung im Sommer 2006 verkündet.
Der Spagat zwischen Tradition und Moderne ist gar nicht so einfach in einem Haus, in dem Schulgründerin Gret Palucca (1902-1993) noch immer präsent scheint. Bis ins hohe Alter hatte die Mitbegründerin des deutschen Ausdruckstanzes an ihrer Wirkungsstätte unterrichtet. Aber so, wie Palucca damals die Szene aufmischte und Impulse gab, so sieht der Rektor auch seine Studenten im ewigen Tanz mit neuen Trends. "Die Schule ist kein Museum. Es muss auch Platz für neue Entwicklungen geben." Der Lehrbetrieb wird als familiär beschrieben, die Familie umfasst 250 Schüler und Studierende, 20 künstlerische und wissenschaftliche Mitarbeiter sowie neun Mittelschullehrer. Draußen auf dem Gang herrscht nicht selten Sprachgewirr - aus 27 Ländern kommen die Eleven.
Während viele Schulen noch immer auf eine Trennung zwischen klassischem Tanz und Moderne pochen, basiert das Dresdner Konzept seit langem auf drei Säulen. Als drittes Standbein gehört die Improvisation dazu - ein Erbe Gret Paluccas. "Die Trennung in klassisch und modern macht keinen Sinn", betont Beechey. Viele Absolventen würden heute gern in modernen Ensembles arbeiten, doch fehle ihnen dafür oft die Erfahrung mit Improvisation.
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Autor: JÖRG SCHURIG, DPA | 09.09.2010
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