München leuchtet nicht, München brennt
Die Polizei hat nach der 48. Münchner Sicherheitskonferenz am Wochenende eine "positive Bilanz" gezogen: "keinerlei besondere Vorkommnisse". Hillary Clinton und Co. flogen wohlbehalten nach Hause. Die weißblaue Welt ist in Ordnung. Aber nicht im Krimi. In dem neuen Roman "Unter Feinden" von Georg M. Oswald, einem schreibenden Rechtsanwalt wie Ferdinand von Schirach, zeigt sich München anders. Krawalle im Westend, angezündete Einsatzfahrzeuge der Polizei. Jugendliche ziehen brandschatzend durch die City, Plünderer stopfen in der Maximilianstraße die Juwelen in Plastiktüten. Und alles, weil in Brennpunktvierteln der Landeshauptstadt die Nachricht die Runde macht, dass die Polizei einen jungen Araber getötet habe.
Stimmt ja auch, da observieren die Kommissare Diller und Kessel eine Wohnung - und dann überfährt der heroinabhängige Kessel, der mal kurz von Dealern frischen Stoff erpressen wollte, in Panik einen "Arab". Was passiert nun? Eigentlich nichts. Die Kommissare schweigen, der durchaus sympathische Diller bangt um seine bürgerliche Existenz und versucht die ermittelnde Staatsanwältin auf Distanz zu halten. Sein Freund Kessel ist ein drogensüchtiges Wrack, erpressbar bis zur Gewalttat. Und dann sollen die beiden einen Terroranschlag auf die internationale Sicherheitskonferenz verhindern.
München also leuchtet nicht, München brennt. Georg M. Oswald schreibt davon schonungslos unaufgeregt, normal, als wäre uns ein solcher Zustand höchst vertraut. Verblüffend auch, mit welcher Selbstverständlichkeit Oswald seine Protagonisten so "durchkommen" lässt. Wer sind eigentlich die Guten? Da bietet der Autor wenig Katharsis an, er macht den Leser eher zum Komplizen des angstvollen Diller.
"Unter Feinden" ist ein spannender, aber ein seltsam dekonstruktiver Krimi. Verbrecherische Kommissare, kaum Handlungsfortschritt, moralischer Verfall in einer Stadt im Ausnahmezustand. Aber dann kommt es an einem 10. Februar zum Showdown: im Buch. Die reale Sicherheitskonferenz ist ja schon vorbei.
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Autor: JÜRGEN KANOLD | 07.02.2012
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