Lang Lang, Hoffnungsträger an allen Fronten

Orchester, Rundfunkanstalten, Festivals vermarkten ihre Musik zunehmend selbst. Die CD-Konzerne setzen auf multimediale Superstars wie Lang Lang.

"Best of Lang Lang" heißt eine Doppel-CD, die Universal Music (Deutsche Grammophon) gerade auf den Markt geworfen hat. Eine Zweitverwertung mit alten Aufnahmen des chinesischen Superpianisten, ein Versuch, noch einmal Geld zu verdienen mit einem der raren Klassik-Stars der YouTube-Generation. Denn Lang Lang greift nun für Sony Classical in die Tasten. Für geschätzte drei Millionen US-Dollar war der 28-Jährige im Februar zu den Japanern gewechselt - eine Ablösesumme wie beim Fußball.

Das Klassik-Geschäft verändert sich dramatisch. Auch Sinfonien werden aus dem Netz heruntergeladen. Orchester, Rundfunkanstalten, Konzerthäuser, Festivals produzieren und verkaufen ihre Musik immer öfter selbst, nicht zuletzt im Internet. Nur CD-Labels, die sich gut in Nischen eingerichtet haben, sich um ein Spartenprogramm kümmern oder die Schallarchive durchkämmen, halten sich - und bieten schon Downloads an oder eben das alte Vinyl. Und die wenigen Weltkonzerne setzen auf Stars wie Lang Lang, die dann an allen Fronten zum Einsatz kommen.

Für den Elektronikriesen Sony ist der Pianist als "Markenbotschafter" unterwegs, er soll auch für 3D-Fernseher werben und überhaupt multimedial präsent sein. Seine erste CD für Sony ist jetzt erschienen - pünktlich zur Internationalen Funkausstellung in Berlin. "Live in Vienna" heißt die Scheibe mit Beethovens "Appassionata"-Sonate. Sie wurde bei einem Solokonzert im Wiener Musikvereinssaal, aufgenommen. Der Auftritt vom vergangenen Jahr wird für alle Kanäle verwertet. Neben der CD gibt es eine DVD als "Making of", eine Blu-Ray-Disc, zwei Platten auf Vinyl sowie ein Version in 3D, für die Lang Lang im Berliner Klub "Berghain" das ganze Konzert gleich nochmal spielte. Fast vergisst der Klassikhörer, dass es noch immer das größere Erlebnis wäre, Lang Lang im Konzertsaal live zu erleben. jük/dpa


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02.09.2010

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