Klavierlieder von Liszt im Ulmer Theater

Acht Klavierlieder von Franz Liszt sang die Mezzosopranistin I-Chiao Shih mit Clemens Müller am Klavier im Ulmer Theater.

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I-Chiao Shih und Clemens Müller.  Foto: 

Klavierlieder von Franz Liszt sind selbst unter den raren Freunden der Gattung kaum bekannt. Acht der rund 70 Stücke sang die Mezzosopranistin I-Chiao Shih, ein herausragendes Ensemblemitglied des Theater Ulm, mit Clemens Müller am Klavier jetzt im Theaterfoyer. Vom dramatischen Es-Dur-Lied auf Goethes „Mignon“ zu der kontrastreichen Ballade auf Heines „Loreley“ – nicht identisch mit Silchers Melodie – spannte sich der Bogen.

Das Timbre von Shihs Stimme ist in der Tiefe  herb, doch kultiviert, stahlend in den kraftvollen Höhe und bruchlos über alle Register.  Phrasierung und Sprachartikulation sind einwandfrei.  Diese Qualitäten gefielen auch im rhapsodischen „König von Thule“, im poetischen „Bist du“ von Metschersky und der sanften Miniatur „Ihr Glocken von Marling“ von Kuh aus dem Spätwerk. Shihs Begleiter hörte genau hin und vollzog mit der Sängerin kongenial die dynamische und agogische Gestaltung.

Von deutscher Romantik zu den „mélodies“ aus Frankreich, die oft den Flair des Vaudeville haben! Aus Hector Berlioz‘ Zyklus „Les nuits d’été“ von 1841 auf sechs Gautier-Gedichte, in der späteren Orchesterlied-Version beliebt, trug Shih drei vor.

Vier Stücke von Henri Duparc

Das erzählende „Villanelle“, das ruhig beginnende, doch nicht kraft- und leidenschaftslos fortgesetzte „Le spectre de la rose“ und das chansonhafte „L’île inconnue“ waren ein Vorspann für vier Stücke von Henri Duparc (1848–1933). Er schuf sein gutes Dutzend Lieder fast alle in den 1870ern, acht davon auch wunderbar orchestriert.

„L’invitation au voyage“ nach Baudelaire mit elegantem Melos über impressionistischen Arpeggien und das expressive „Testament“ nach Silvestre waren Höhepunkte, von denen man gern noch mehr genossen hätte. Zwei Zugaben für den verdienten Beifall enthielten auch ein reizvolles Lied aus Shihs Heimat Taiwan.

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