Die besten Käufer sind die Kenner
Stuttgart. Herbert Blank ist Antiquar aus Leidenschaft. Seine Liebe zu Büchern und sein Interesse an Biografien treibt ihn dazu an, seltene Bücher zu sammeln.
Die Liebe zu Büchern ist eine wichtige Voraussetzung, um ein guter Antiquar zu sein. Das ist die Meinung von Herbert Blank, der es wissen sollte. Der heute 81-Jährige arbeitet seit mehr als 60 Jahren in der Branche. Dabei ist der Stuttgarter gewiss kein gewöhnlicher Antiquar - falls es so etwas überhaupt gibt. "Ich bin Sammler, der eine Sammlung zusammenbringt und verkauft", sagt er. Nach dieser Methode hat er unter anderem die Bibliothek von Franz Kafka rekonstruiert, womit er sich auch international einen Namen gemacht hat.
Am Anfang dieses Mammut-Projektes stand die Faszination für Kafkas Literatur: "Ich kenne keinen anderen Autor, der solch imaginative Bilder geschaffen hat", sagt Blank. Intuitiv griff er nach allen Werken Kafkas, aber auch nach allen Büchern und Zeitschriften, die der Autor je gelesen hat. Nach einem knappen Jahrzehnt besaß Blank alles, was Kafka auch besessen hatte - sogar in der gleichen Ausgabe. Im Jahr 2001 erschien der Katalog.
Doch welche Kraft treibt zu so einer Arbeit an? Wahrscheinlich ist es das Bedürfnis, einen Autor in den bestimmten Lebensumständen seiner Epoche besser zu verstehen. Blank beschreibt dieses Verlangen so: "Sucht jemand nach einer speziellen Ausgabe eines Buches, hat er dessen Stoff bereits überwunden. Die Kennerschaft beginnt." Es geht also nicht mehr nur um den Inhalt eines Werkes. Ziel ist es, den Text so vor sich zu haben wie Kafka ihn einst vor sich hatte, um den Text so zu verstehen wie Kafka ihn verstand. Immer in der Hoffnung, dass sein Zeitgeist näher rückt.
Trotz aller Bibliophilie fällt es Blank nicht schwer, eines seiner kostbaren Werke wieder herzugeben. Es kommt nur auf den Käufer an - der sollte eben auch ein Kenner sein. "Es ist eine große Freude, einem Menschen ein Buch anzubieten, das er schon lange sucht und der zudem die historischen Zusammenhänge begreift."
Im Fall von Kafkas Bibliothek hatte Blank Glück. Mehr durch Zufall fand sich ein großer Sponsor für seine Sammlung: Die Firma Porsche kaufte Blank die vollständig rekonstruierte Bibliothek ab und schenkte sie im Jahr 2002 der Franz-Kafka-Gesellschaft in Prag.
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Autor: NINA RECKMANN | 26.01.2011
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Auf der Suche nach dem historischen Zeitgeist: Antiquar Herbert Blank.
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