Die Kinowelt steht wieder im Zeichen der Bären

Berlin.  Viele internationale Stars, etliche Weltpremieren und ein paar Fragezeichen: Morgen beginnt die 62. Berlinale, die Erwartungen sind recht hoch.

Meryl Streep, Sandra Bullock, Angelina Jolie, Uma Thurman, Antonio Banderas, Javier Bardem, Shah Rukh Khan, Robert Pattinson. . . - die übliche Klage, die Berlinale böte nur Schmalspur-Glamour, sollte dieses Jahr verstummen. Die 62. Internationalen Filmfestspiele von Berlin, die morgen beginnen, lassen keinen Mangel an Kinoprominenz befürchten.

Viele bekannte Gesichter und Köpfe also, aber los gehts mit einer Enthauptung: Der Eröffnungsfilm "Les adieux à la Reine" von Benoit Jacquot befasst sich mit den letzten Stunden im Leben der Königin Marie Antoinette. Im Wettbewerb laufen insgesamt 23 Filme (fünf außer Konkurrenz), 19 sind Weltpremieren. Dabei zeigen Kinogrößen wie die Brüdern Taviani und Zhan Yimou ihre neuen Werke, aber auch Talente wie der philippinischen Regisseur Brillante Mendoza und das ungarische Enfant terrible Benedek Fliegauf. Wird die Auswahl die Kritiker in diesem Jahr überzeugen?

Da die Welt, wie Berlinale-Chef Dieter Kosslick im Programmkatalog konstatiert, "wieder mal im Umbruch ist", sind politische und gesellschaftliche Themen stark vertreten: "Rebelle" etwa widmet sich Kindersoldaten im Kongo, "Bai lu yuan" führt in dreieinhalb Stunden durch Tausende Jahre chinesischer Geschichte. Ein politisches Porträt zeichnet - wenn auch nicht im Wettbewerb - "Die Eiserne Lady". Meryl Streep verkörpert darin Margaret Thatcher, und sie erhält in diesem Jahr den Ehrenbär für ihr Lebenswerk.

Die Deutschen sind im Wettbewerb dreifach vertreten, und alle drei sind auf der Berlinale gern gesehene Gäste: Christian Petzold stellt "Barbara" vor, Hans-Christian Schmid "Was bleibt" und Matthias Glasner "Gnade".

International und namhaft wie selten besetzt ist die Jury. Geleitet wird sie vom britischen Regisseur Mike Leigh, ihm zur Seite stehen und sitzen der niederländische Fotograf und Filmemacher Anton Corbijn, der iranische Regisseur Asghar Farhadi ("Nader und Simin"), die Schauspieler Jake Gyllenhaal, Charlotte Gainsbourg und Barbara Sukowa, der französische Regisseur François Ozon sowie der algerische Schriftsteller Boualem Sansal.

Der Wettbewerb ist aber nur eine von zehn Berlinale-Sektionen, insgesamt werden an den zehn Tagen 395 Filme gezeigt. Das "Panorama" stellt unter anderem Filme über koptische Christen in Ägypten, Schwule in der DDR und Nazis auf dem Mond vor. Die Retrospektive "Die rote Traumfabrik" widmet sich dem in den 20er Jahren in Moskau gegründeten deutsch-russischen Filmunternehmen Meschrabpom. Die restaurierte Fassung des Stummfilmklassikers "Oktober" von Sergej Eisenstein dürfte ein Berlinale-Highlight 2012 werden.


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Autor: MAGDI ABOUL-KHEIR | 08.02.2012

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