Caveman wird Vater

Stuttgart.  Wie setzt man einen Bühnenerfolg wie Rob Beckers "Caveman" fort? Wie wäre es mit "Hi Dad. Hilfe. Endlich Papa", das jetzt im Theaterhaus Stuttgart Premiere hatte - mit Caveman-Darsteller Martin Luding.

Allein in Stuttgart und Ulm haben mehr als 500 000 Zuschauer Rob Beckers Erfolgskomödie "Caveman" gesehen. Ein Erfolg, der nach einem Nachfolger schreit. Und das haben schon mehrere Autoren versucht. Bislang vergeblich. Keines der Stücke, die wie Beckers Solokomödie mit den Unterschieden zwischen Mann und Frau sowie den Klischees darüber spielt, erreichte dessen Niveau - von den Zuschauerzahlen ganz zu schweigen.

Das könnte sich jetzt ändern. Denn bei "Hi Dad. Hilfe. Endlich Papa" hat nahezu das gleiche Team zusammengearbeitet, das auch "Caveman" bundesweit erfolgreich auf die Bühne brachte. Esther Schweins führte Regie, in Stuttgart und ab Herbst auch in Ulm spielt wieder Martin Luding, die Übersetzung ins Deutsche stammt wieder von Kristian Bader. Nur der Autor ist ein anderer: der Isländer Bjarni Thorsson. Der hat aber auch jede Menge mit "Caveman" zu tun, er gehörte zum Team, das Beckers Broadway-Erfolg nach Europa holte. Die Erwartungen waren also hoch bei dieser Premiere im Stuttgarter Theaterhaus. Gleich vorneweg: Sie werden erfüllt.

Auch deshalb, weil sich das Stück und die Inszenierung wie eine Fortsetzung von "Caveman" anschauen lassen. Das beginnt schon beim Vorspann, der erneut Martin Luding und Esther Schweins in einer Diashow als glückliches Paar zeigt. Ludings schwangere Partnerin im Off heißt wieder Heike, die als weiblicher Gegenpart tapfer und vor allem ausdauernd ihren Mann steht.

Apropos Mann: Der ist sich wieder keiner Schuld bewusst, schließlich ist seine Sicht der Welt und ihrer Beziehung die alleingültige. Und schon sind wir mittendrin, in den Betrachtungen dieses Mannes, der das Ganze erst mal von der rein technischen Seite sieht, die befruchtete Eizelle zum Miniraumschiff im All der Gebärmutter erklärt, wo geniale Handwerker aus Nichts einen Menschen basteln.

Des Mannes Anteil daran, bleibt nebulös. Da war doch noch was. Sex? "Eine feine Sache, die der da oben aber nur erfunden hat, damit er nicht jeden kleinen Scheißer selbst aus Lehm modellieren muss." Typisch Mann. Ja. Aber das ist nur die eine Seite dieser männlichen Sicht - diejenige für die anderen Männer, die man mit Alufelgen und Griffheizung am Kinderwagen beindrucken will. Die andere Seite ist die Hilflosigkeit des Partners, der mit dem Wunder von Schwangerschaft und Geburt konfrontiert wird, des Mannes, der Kinder als Plagen definiert und zum Weichei mutiert, zum Vater, der trotz montelangen Schlafentzugs nicht verstehen kann, um was sich die Welt eigentlich früher gedreht hat.

Also wieder alles drin: Jede Menge Klischees, mit denen gekonnt jongliert wird, gut getimte Pointen, ein Darsteller, der das Publikum 100 Minuten lang fesselt. Bleibt nur die Frage: Welches Geschlecht hat das Kind eigentlich?

Karten und Informationen zum Spielplan des Theaterhauses Stuttgart: 0711/ 40 20 720 täglich von 10 -21 Uhr.


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Autor: HELMUT PUSCH | 15.01.2010

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